Kampagne 2015

Auch wir sind gemeinnützig!

Wir fordern die Anerkennung der Gemeinnützigkeit von Körperschaften, die sich in vielfältiger Weise für Diversität und gegen die Ausgrenzung lesbischer, schwuler, bisexueller, transsexueller, transidenter, inter, queerer und asexuellen Menschen engagieren.

In Deutschland gibt es unzählige Vereine und Organisationen, die sich für die Rechte von LSBTTIQA Menschen einsetzen. Ihre Aufgaben reichen von Beratungsangeboten, Bemühungen um rechtliche Gleichstellung, Jugend- und Sportgruppen, Schutz und Hilfe für Menschen, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität verfolgt werden, über die historische Aufarbeitung des Wirkens von Homosexuellen, Menschen mit geschlechtlicher Varianz und Intersexuellen bis hin zur Prävention und HIV/AIDS-Beratung, Seniorenbetreuung, der Seelsorge und altersgerechten Wohnprojekten.

PETITION IST ABGEGEBEN!
Am 20. November 2015 wurde unserer Petition "Auch wir sind gemeinnützig!" an den Petitionsausschuss des Bundestages gesendet. Am 24. November erfolgte die offizielle Übergabe an den Parlamentarischen Staatssekretär beim Bundesminister für Finanzen Herrn Jens Spahn. Neben Herrn Spahn waren noch Herr Stefan Kaufmann (MdB, CDU), die Initiative ENOUGH is ENOUGH! OPEN YOUR MOUTH!, das Aktionsbündnis gegen Homophobie, die Beratungsstelle InTra* sowie Redakteur*innen des straight-magazins und der MÄNNER vor Ort.

Ein großer Dank für die Unterstützung geht an:
Marco Schenk, ENOUGH is ENOUGH! OPEN YOUR MOUTH!
Josephine Beier, InTra-Beratungsstelle
Lotty Maria Wergin, VTSM

 

 


Unterschriftenkampagne

Um als gemeinnützige Körperschaft anerkannt zu werden und somit die daraus resultierenden Rechte zugesprochen zu bekommen, muss eine Körperschaft einen Zweck erfüllen, der sich im Kanon des §52 Abs. 2 der Abgabenordnung wiederfindet. Leider findet sich die Arbeit in und für die Regenbogen-Community hier nicht wieder.

Aus diesem Grund hat das Projekt 100% MENSCH die Kampagne "Auch wir sind gemeinnützig!" mit dem Ziel gestartet, den Kanon der Abgabenordnung so zu erweitern, dass dieser die Arbeit in und für die Regenbogengemeinschaft endlich als gemeinnützig anerkennt.

 

Folgende Ergänzungen sind im §52 (2) der Abgabenordnung notwendig (Ergänzungen fett):

§52 Gemeinnützige Zwecke

(1) Eine Körperschaft verfolgt gemeinnützige Zwecke, wenn ihre Tätigkeit darauf gerichtet ist, die Allgemeinheit auf materiellem, geistigem oder sittlichem Gebiet selbstlos zu fördern.

(2) Unter den Voraussetzungen des Absatzes 1 sind als Förderung der Allgemeinheit anzuerkennen: [...]

10. die Förderung der Hilfe für politisch,[...] religiös oder aufgrund ihrer sexuellen Orientierung, geschlechtlichen Identität oder ihres Geschlechtsausdrucks Verfolgte, [... ]

18. die Förderung der Gleichberechtigung von Frauen, Männern sowie transsexuellen, transidenten und intersexuellen Menschen; (ALTERNATIV: Absatz 27)

19. die Förderung des Schutzes von Ehe, eingetragener Lebenspartnerschaft und Familie; [...]

26. (neuer Absatz) die Förderung der Gleichberechtigung von Heterosexuellen und Homosexuellen;

27. (neuer Absatz) die Förderung der Erforschung, Hilfe und Beratung in Fragen der geschlechtlichen Identität;

unterstützt von:

Hella von Sinnen, Schauspielerin | Imke Duplitzer, Degenfechterin (Zweifache Europameisterin Einzel, neunfache Deutsche Meisterin, fünffache Olympiateilnehmerin) | Sebastian Krumbiegel (DIE PRINZEN) | Claudia Roth, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages und MdB (Bündnis90/Die Grünen) | Cem Özdemir, Bundesvorsitzender der Partei Bündnis 90/Die Grünen | Bernd Riexinger, Bundesvorsitzender DIE LINKE | Corinna Rüffer, MdB (Bündnis90/Die Grünen) | Dr. Stefan Kaufmann, MdB (CDU) | Elfie Scho-Antwerpes, MdB (SPD) | Harald Petzold, MdB (DIE LINKE) | Johann Saathof, MdB (SPD) | Johannes Kahrs, MdB (SPD) | Karin Maag, MdB (CDU) | Karl-Heinz Brunner, MdB (SPD) | Katarina Barley, MdB (SPD) | Mechthild Rawert, MdB (SPD) | Monika Lazar, MdB (Bündnis90/Die Grünen) | Susann Rüthrich, MdB (SPD) | Ulle Schauws, MdB (Bündnis90/Die Grünen) | Volker Beck, MdB (Bündnis 90/Die Grünen) | Brigitte Lösch, MdL und Vizepräsidentin des Landtags von Baden-Württemberg (Bündnis90/Die Grünen) | Claudia Stamm, MdL (Bündnis90/die Grünen) Bayern | Tanja Wegener, MdL (SPD) NRW | Terry Reintke, MdEP (Bündnis90/Die Grünen) | Thekla Walker, Landesvorsitzenden Bündnis 90/Die Grünen Baden-Württemberg | Heinz-Werner Windhorst, Bürgermeister der Stadt Aurich | Klaus Lederer, Landesvorsitzender DIE LINKE Berlin | Marc Bernhard Gleißner, Fraktionsvorsitzender Stadtrat Trier (DIE LINKE) | Oliver Hildebrand, Landesvorsitzender von Bündnis90/Die Grünen BaWü | Wolfgang Ericson, Bürgermeister der Stadt Heidelberg | Wolfram Leibe, Oberbürgermeister der Stadt Trier | Dr. Ulrich Blaschke, ehrenamtliches Mitglied des Stadtrates Nürnberg | Gerd Miedthank, stellvertretender Landesvorsitzender "Selbst Aktiv" SPD, Berlin | Hannes Rockenbauch, Fraktionsvorsitzender Stadtrat Stuttgart (SÖS.LINKE.PLUS) | Jennifer Michelle Rath, Bundessprecherin DIE LINKE.queer | Laura Halding-Hoppenheit, Stadträtin Stuttgart DIE LINKE | Lothar Kurtz, Piratenpartei, Gebietsbeauftragter Berlin | Odette Barbosa de Lima, Stadtverordnete Frankfurt (Bündnis90/Die Grünen) | Tania Knöbl, Landessprecherin DIE LINKE.queer Bayern | AG Lesben und Schwule in der SPD | AK QueerGrün Kreisverband Köln Bündnis90/Die Grünen | AK QueerGrün Kreisverband Stuttgart Bündnis90/Die Grünen | Allianz für Menschenrechte, Tier- und Naturschutz, Landesverband Baden Württemberg | Armin Grabs, stellvertretender Bundesvorsitzender LiSL Deutschland e.V. (Liberale Schwule und Lesben) | Bundesverband Lesben und Schwule in der Union (LSU) | CDU Münster | DIE LINKE . Berlin | DIE LINKE . Bayern | DIE LINKE / Stadtrat Trier | DIE LINKE Siegen | FDP Münster | Frauenunion Stuttgart | Grüne Jugend RLP | Grüne Jugend Trier | Grüne Landtagsfraktion Bayern | Jusos Aurich | Jusos Nürnberg | Jusos Weser-Ems | Köln SPD | LAGqueer Grün (Hessen) | Landesverband Queer Sozis (Schwusos) Berlin | LiSL Deutschland e.V. (Liberale Schwule und Lesben) e.V. | LSU Berlin (Lesben und Schwule in der Union) | LSU Ost - Lesben und Schwule in der Union (CDU/CSU) | LSU, Landesverband NRW | Piraten Partei Nürnberg | Piraten Steglitz-Zehlendorf | Piratenpartei Frankfurt | Piratenpartei, KV München | QueerGrün Berlin (Bündnis90/DieGrünen) | Schwusos der Köln SPD | Schwusos Saar | SPD Kreisverband SOE | SPD Trier-Saarburg | Trierer JuSos | DIE LINKE Stadtverband Halle | AktivistA (Verein zur Sichtbarmachung von Asexualität) | AWO Berlin, KV Südwest e.V. | Bernd Schachtsiek, FG Leiter Politik, Völklinger Kreis e.V. | Bundesarbeitsgemeinschaft Schwule + Lesbische Paare e.V. | ENOUGH is ENOUGH! OPEN YOUR MOUTH! | Fliederlich e.V. | Fußballfans gegen Homophobie e.V. | Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Landesverband Berlin | Initiative #EheFürAlle, Berlin | Intersexuelle Mensch e.V. | Josephine Beier (InTra*Beratung, München) | Landesgemeinschaft Lesben in NRW | Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) e.V. | LSBT* Jugendfachstelle, Köln | LSVD-NRW e.V. | Organisationsteam SchLAu Ems-Vechte | PROUT AT WORK Foundation | Quarteera e.V. | QueerNet RLP e.V. | Rubicon e.V., Köln | SchLAu (Schwul Lesbische Aufklärung) Köln | Schwulenberatung Berlin GmbH | Trans-Ident e.V. | TransMann e.V. | TrIQ e.V. | VelsPol Berlin-Brandenburg e.V. (Verband lesbischer und schwuler Polizeibediensteter) | VelsPol Deutschland e.V. (Verband lesbischer und schwuler Polizeibediensteter) | ver.di Arbeitskreis queer | ver.di Landesbezirk Berlin- Brandenburg | Völklinger Kreis e.V. Regionalgruppe Frankfurt | SAPPHO- Frauenwohnstiftung | Wirtschaftsweiber e.V. | CSD Aurich e.V. | CSD Deutschland e.V. | CSD Dresden e.V. | CSD Düsseldorf e.V. | CSD Erfurt e.V. | CSD Kassel e.V. | CSD Mönchengladbach e.V. | CSD München | CSD Münster e.V. | CSD Pirna e.V. | CSD Siegen e.V. | CSD Ulm.Neu-Ulm e.V. | DUGay e.V. | Förderverein "Christopher-Street-Day" Nürnberg e.V. | Förderverein des Koblenzer CSD e.V. | Förderverein Hauptstadt CSD e.V., Berlin | Heartbreaker Düsseldorf | IG CSD Stuttgart e.V. | Kölner Lesben- und Schwulentag e.V. | LAND LuST e.V. | Lesben- und Schwulentag Nordwest e.V. | Regensburger Schwulen- und Lesben-Initiative e.V. | RuhrPRIDE e.V. | SCHMIT-Z, schwul-lesbisches Zentrum Trier e. V. | Verein für sexuelle Emanzipation VSE e.V. | Alfonso Pantisano, Aktivist, Berlin | Bernd Allgeier, Betriebswirt und Grafikdesigner | Carsten Düsener, Musikproduzent | Jens Heineke, Mr. Bear Germany 2015 | Nasser El-Ahmed, LGBTTIQ Aktivist | Nena Borzic, Aktivistin | Stephan Schulz, Mr. Leatehr BaWü | Tanja Jäkel, DJane und Aktivistin | Uwe Hoffmann, Mr. Leather BaWü 2013/14 und Mr. Fetish Germany 2014 | Ela Querfeld, Sängerin | Julia Reihhöfer, Sängerin und Radiomoderatorin | Käthe Köstlich, Entertainerin und Aktivistin | Marion Radtke-Fink, Kölsche Diva der Röschensitzung | Markus Barth, Autor und Stand-Up-Comedian | Markus Grimm, Sänger und Erzähler | Schneewitchen (Gothicpunk, Hannover) | Swen Marcel, Comiczeichner | Tim Becker, Bauchredner | AIDS-Hilfe Bergisch Gladbach / Rheinisch Bergischer Kreis e.V. | AIDS-Hilfe Düsseldorf e.V. | AIDS-Hilfe Köln e.V. | AIDS-Hilfe München e.V. | AIDS-Hilfe Stuttgart e.V. | Dr. Barbara Detering-Hübner, Regionaler AIDS-Beirat Trier | ICH WEISS WAS ICH TU / Deutsche AIDS-Hilfe e.V. | Initiative POSITIV HANDELN NRW | Jugendberatungszentrum anyway Köln | Kalle Riegler, Vorstand AIDS-Hilfe Heidelberg | Orden der Schwestern der perpetuellen Indulgenz e.V., Berlin | S'AG | Schwester Daphne O.S.P.I., Orden der Schwestern der Perpetuellen Indulgenz - Haus Sankta Melitta Iuvenis e.V. | Carsten Bolz, Superintendent, Ev. Kirchenkreis Berlin Charlottenburg-Willmersdorf | Dr. Berthold Höcker, Superintendent Ev. Kirchenkreis Berlin Stadtmitte | Kirchenkreis Berlin-Schöneberg | Lesben und Kirche, LuK (Bundesverband) | Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK) e.V. | Pfarrer Dr. Axel Schwaigert (D.min/USA), Salz der Erde MCC Gemeinde Stuttgart | Deborah Reinert, Rechtsanwältin und Musikerin | Stefan Weidner, Rechtsanwalt, Stuttgart | Axel Hill (Journalist) | mediaLaden Ltd. / GayMaxx, Berlin | Stephan Ruthe, BRaVE e.V. | uferlos (RadioMagazin), München | Dr. Marie Sichtermann, Geld und Rosen (Unternehmensberatung für Frauen) | Markus Poscher, Kohs + Poscher UG, Köln | Phoenix Saunen Düsseldorf, Essen, Köln | Thomas Kohs, Lekkermann UG, Köln | Androgym schwul-lesbischer Sportvereien e.V. | ASTA FH-Münster | BDSM-Berlin e.V. | Berlin Bruisers e.V. (erster schwuler Rugby-Verein Deutschlands) | Damen Fußball Mannschaft des TuS Bremen (Damen Kreislige A) | Die Tollkirschen e.V., Dortmund | EINSTEIGER e.V., Berlin | gay and grey | Gay in May e.V. | GleichArt Cafe Norden | Hertha-Junxx (schwul-lebischer FanClub des Hertha BSC) | KCM Münster | LIVAS e.V. | LUGMAN e.V. | Musical Company Rise Up e.V. | Quälgeister-Berlin e.V. | Queer Springer SSV, Berlin | Regenbogen-Referat des Asta der Uni Freiburg | Rendsburger Regenbogengruppe | Rosa Panther SLSV Nürnberg e.V. | Route 66 Jugendtreff Trier | Schützenbruderschaft St. Sebastianus & Afra 2012 Köln e.V. | Segelerinnen e.V., Köln | Sektion Gay Outdoor Club e.V. | Selbsthilfegruppe Trans Ident Münster | SHALK NRW e.V., Duisburg | Studentendorf Efferen, e.V. | team Berlin e.V., Berlin | Team München e.V. | Teddy e.V., Berlin | Theatergruppe Kreuz&Quer e.V., Studierenden-Theater an der Hochschule Trier | Tomm Straub, Architekt und Vorstandsmitglied der Stuttgarter Bären | Track e.V. - LSBTI*Jugendtreff | Beginen Köln e.V.

 

Hier der vollständige Petitionstext

 

An den
Deutschen Bundestag
Petitionsausschuss
Platz der Republik 1
11011 Berlin

 

PETITION: „Auch wir sind gemeinnützig!“

Ziel: Ergänzung §52 (2) der Abgabenordnung

 

Petent
Projekt 100% MENSCH gemeinnützige UG
Holger Edmaier (Geschäftsführer)
Bochumer Str. 1
70376 Stuttgart
Baden-Württemberg
0151 – 205 198 14
kontakt@100mensch.de

 

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Sehr geehrte Damen und Herren des Petitionsausschusses!
Sehr geehrte Damen und Herren des Bundestages!
Sehr geehrte Damen und Herren des Bundesministeriums der Finanzen!

 

Gemeinnützigkeit kennt keine sexuelle Orientierung und keine geschlechtliche Identität!

 

Wir wenden uns mit dieser Petition an Sie, um die strukturelle Diskriminierung von lesbischen, schwulen, bisexuellen, transsexuellen, transidenten, queeren und asexuellen Menschen und deren Körperschaften im §52 (2) der Abgabenordnung zu beenden. Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

 

Herzliche Grüße

 

Holger Edmaier
Projekt 100% MENSCH gemeinnützige UG

 

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Ziel der Petition
Aufhebung der strukturellen Diskriminierung von Körperschaften im §52 (2) der Abgabenordnung, die sich in gemeinnütziger Weise für die Belange von lesbischen, schwulen, bisexuellen, transsexuellen, transidenten, intersexuellen, queeren und asexuellen Menschen einsetzen. Hierfür sind Ergänzungen notwendig.

 

Zielbehörde
Bundesministerium der Finanzen

 

Gesetzesergänzung
Wir bitten um die Ergänzung des §52 (2) der Abgabenordnung in folgenden Punkten (Ergänzungen fett):

10. die Förderung der Hilfe für politisch, rassisch, religiös oder aufgrund ihrer sexuellen Orientierung, ihrer geschlechtlichen Identität oder ihres Geschlechtsausdrucks Verfolgte, für Flüchtlinge, Vertriebene, Aussiedler, Spätaussiedler, Kriegsopfer, Kriegshinterbliebene, Kriegsbeschädigte und Kriegsgefangene, Zivilbeschädigte und Behinderte sowie Hilfe für Opfer von Straftaten; Förderung des Andenkens an Verfolgte, Kriegs- und Katastrophenopfer; Förderung des Suchdienstes für Vermisste;

18. die Förderung der Gleichberechtigung von Frauen, Männern sowie transsexuellen, transidenten und intersexuellen Menschen;

19. die Förderung des Schutzes von Ehe, eingetragener Lebenspartnerschaft und Familie;

26. (neuer Absatz) die Förderung der Gleichberechtigung von Heterosexuellen und Homosexuellen.

27. (neuer Absatz, Alternative zur Ergänzung des Satz 18) die Förderung der Erforschung, Hilfe und Beratung in Fragen der geschlechtlichen Identität;


Begründung

Gemeinnützige Organisationen und ehrenamtlich tätige Menschen leisten einen großen Dienst an der Gesellschaft: Sie unterstützen hilfsbedürftige Menschen, fördern Kunst, Kultur, Sport, Wissenschaft und Forschung. Sie übernehmen an vielen Stellen Aufgaben, die der Staat nicht leisten kann. Sie fördern die Demokratie und die gesellschaftliche Weiterentwicklung. Sie sorgen dafür, dass aus dem „Ich“ ein „Wir“ wird.
Um als gemeinnützige Körperschaft anerkannt zu werden und somit die daraus resultierenden Rechte zugesprochen zu bekommen, muss eine Körperschaft einen Zweck erfüllen, der sich im Kanon des §52 (2) der Abgabenordnung wiederfindet.
In Deutschland gibt es unzählige Vereine und Organisationen, die sich für die Rechte von lesbischen, schwulen, bisexuellen, transsexuellen, transidenten, intersexuellen, queeren und asexuellen (LSBTTIQA) Menschen einsetzen. Ihre Aufgaben reichen von Beratungsangeboten, Bemühungen um rechtliche Gleichstellung, Jugend- und Sportgruppen, Schutz und Hilfe für Menschen, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität verfolgt werden, über die historische Aufarbeitung des Wirkens von Homosexuellen sowie Menschen mit geschlechtlicher Varianz und Intersexuellen bis hin zur Prävention und STI/HIV/AIDS-Beratung, Senior*innenbetreuung, der Seelsorge und altersgerechten Wohnprojekten. Diese Organisationszwecke finden sich bisher nicht im Kanon des §52 (2) AO wieder und zwingen die Körperschaften zu aufwendigen Begründungsauseinandersetzungen mit dem jeweiligen Finanzamt, zum Ausweichen auf „Alibi-Zwecke“ oder im schlimmsten Fall zur Aufgabe der Tätigkeit.
Zwar lautet der letzte Satz des §52 AO

„Sofern der von der Körperschaft verfolgte Zweck nicht unter Satz 1 fällt, aber die Allgemeinheit auf materiellem, geistigem oder sittlichem Gebiet entsprechend selbstlos gefördert wird, kann dieser Zweck für gemeinnützig erklärt werden. Die obersten Finanzbehörden der Länder haben jeweils eine Finanzbehörde im Sinne des Finanzverwaltungsgesetzes zu bestimmen, die für Entscheidungen nach Satz 2 zuständig ist.“

dies entspricht jedoch nur einer Kann-Regelung, die den Körperschaften weder eine verlässliche Rechtssicherheit garantiert, noch einen Rechtsanspruch ableitet. Aufwendige Auseinandersetzungen zwischen den Körperschaften und ihren zuständigen Finanzämtern sind die Folge. Die Auslegung dieser Kann-Regelung erfolgt unseren Recherchen zufolge in den Bundesländern höchst unterschiedlich. Eine Klarstellung ist somit nicht nur für die Körperschaften, sondern auch für die jeweiligen Finanzbehörden zur Auflösung der vorliegenden strukturellen Diskriminierung notwendig.

Die Empfehlung vieler Finanzämter, die Körperschaftszwecke so umzuformulieren, dass sie einem der bestehenden anerkannten Zwecke entsprechen, marginalisiert zum einen die Zielgruppe, zum anderen hindert es die Körperschaften daran, rechtssicher ihre eigentlichen Zwecke zu verfolgen und dies auch nach außen deutlich zu vertreten.

So sind Körperschaften zur Thematik „Beratung von Menschen mit geschlechtlicher Varianz“ häufig gezwungen den Passus „die Förderung des öffentlichen Gesundheitswesens und der öffentlichen Gesundheitspflege, insbesondere die Verhütung und Bekämpfung von übertragbaren Krankheiten, auch durch Krankenhäuser im Sinne des § 67, und von Tierseuchen;“ als Grundlage zu nutzen. Dies entspricht einer Pathologisierung von Transsexualität, Transidentität und Intersexualität.
Für Körperschaften, die sich für die Beratung und Emanzipation von homosexuellen und bisexuellen Männern einsetzen, bedeutet die Verwendung dieses Passus eine inhaltliche Verkürzung auf die Themen „HIV“ und „AIDS“. Diese damit verbundene Gleichsetzung von „schwul“ mit „krank“ ist nicht hinnehmbar.

Ebenso entsprechen die Zwecke „Kunst und Kultur“ oder „Volksbildung“ häufig nicht den realen Vereinszwecken, sondern werden (in Abstimmung mit den Finanzämtern) als „Alibi“ vorgeschoben. Die Gemeinnützigkeit der Körperschaften steht dabei für die Finanzämter meist außer Frage – einzig die fehlende Präzisierung des Gesetzestextes zwingt Finanzamt und Körperschaft in diese „Alternative“. Dies ist ein Zustand, der dringend beendet werden muss.

Fazit
Die explizite Anerkennung der gemeinnützigen Arbeit der genannten Körperschaften im §52 (2) AO entspräche nicht nur einer gesellschaftlichen Anerkennung und Wertschätzung der geleisteten ehrenamtlichen Arbeit, sie würde den Körperschaften und auch den zuständigen Finanzämtern eine verlässliche Rechtssicherheit garantieren. Anerkennungsprozesse würden beschleunigt und so Finanzbehörden und Körperschaften entlastet werden.
Gemeinnützigkeit kennt keine sexuelle Orientierung und keine geschlechtliche Identität!

 


Begründung der einzelnen Ergänzungen

10. die Förderung der Hilfe für politisch, rassisch, religiös oder aufgrund ihrer sexuellen Orientierung, ihrer geschlechtlichen Identität oder ihres Geschlechtsausdrucks Verfolgte, für Flüchtlinge, Vertriebene, Aussiedler, Spätaussiedler, Kriegsopfer, Kriegshinterbliebene, Kriegsbeschädigte und Kriegsgefangene, Zivilbeschädigte und Behinderte sowie Hilfe für Opfer von Straftaten; Förderung des Andenkens an Verfolgte, Kriegs- und Katastrophenopfer; Förderung des Suchdienstes für Vermisste;

Begründung
Es gibt keine Opfer erster und zweiter Klasse. Eine Studie der EU-Grundrechte-Agentur (FRA) ergab, dass 47% aller Befragten im vergangenen Jahr eine Diskriminierung und Gewalt aufgrund ihrer sexuellen Orientierung bzw. geschlechtlichen Identität erleben mussten. Dennoch werden Vereine, die sich für die Betreuung und Versorgung der Opfer von Homo- und Transphobie einsetzen, nicht für diese Tätigkeit als gemeinnützig anerkannt.

 

18. die Förderung der Gleichberechtigung von Frauen, Männern sowie transsexuellen, transidenten und intersexuellen Menschen;

Begründung
Die Marginalisierung von Menschen mit geschlechtlicher Varianz und die fatalen Auswirkungen der immer noch stattfindenden Geschlechtszuweisung bei intersexuellen Neugeborenen haben massive Auswirkungen auf die stark erhöhte Suizidrate und die Lebensqualität dieser Gruppen. Die Wahrnehmung von Menschen mit Geschlechtskörperdiskrepanz (Transsexualität) bzw. Geschlechterrollendiskrepanz (Transidentität) ist in der Gesellschaft noch weit von Akzeptanz und Gleichberechtigung entfernt. Menschen, die sich nicht im bipolaren Geschlechtersystem wiederfinden, werden in ihrer Existenz geradezu negiert. Diskriminierung im Alltag und Berufsleben ist an der Tagesordnung (siehe „Benachteiligung von Trans*Personen insbesondere im Arbeitsleben“, Antidiskriminierungsstelle des Bundes (2010) sowie „Being Trans in the European Union“, FRA – European Union Agency for Fundamental Rights (2014)). Gemeinnützige Beratungsstellen können hier einen großen Dienst leisten: Rechtliche Beratung, Interventionen, Angehörigenberatung, psychologische und soziale Hilfe, Schutzräume bis hin zur Wohnungsvermittlung sind dringend notwendige Hilfsangebote.

Eine Ergänzung des Absatzes 18 bzw. die Aufnahme des von uns vorgeschlagenen alternativen Satzes 27 würde den Resolutionen 2048 (2015) und 1952 (2013) der parlamentarischen Versammlung des Europarates folgen, die die Mitgliedsstaaten zur Beendigung der Diskriminierung von Menschen mit geschlechtlicher Varianz auffordert.

Uns ist bewusst, dass die Begriffe „transsexuell, transident und intersexuell“ eher unscharfe Begriffe sind, welche immer noch in Medizin, Soziologie und auch unter den Betroffenen diskutiert werden. Gleichzeitig ist mit dem „Transsexuellengesetz (TSG)“ ein (überarbeitungswürdiges) Gesetz in Kraft, welches zumindest den Begriff „transsexuell“ trotz seiner Unschärfe selbst verwendet.
Aus diesem Grund haben wir eine Alternative zu unserem Ergänzungsvorschlag als Satz 27 in unsere Petition aufgenommen.

 

19. die Förderung des Schutzes von Ehe, eingetragener Lebenspartnerschaft und Familie;

Begründung
Bei allem politischen Diskurs über die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare ist die Frage der Anerkennung der Gemeinnützigkeit von Beratungsstellen für eingetragene Lebenspartner*innenschaften davon isoliert zu betrachten. Die Beratung von Verantwortungsgemeinschaften (Ehe, eingetragene Lebenspartner*innenschaft, klassische Familie, Patchworkfamilie, Regenbogenfamilie usw.) entspricht durch seine staatsentlastende und gesellschaftsstabilisierende Funktion der klassischen Vorstellung von Gemeinnützigkeit. Vereinfacht ausgedrückt: Ob eine Beratungsstelle versucht, eine Ehe oder eine eingetragene Lebenspartner*innenschaft zu retten, darf bei der Feststellung der Gemeinnützigkeit keine Rolle spielen.

 


26. (neuer Absatz) die Förderung der Gleichberechtigung von Heterosexuellen und Homosexuellen;

Begründung
Das Körperschaftsziel der Gleichberechtigung der Geschlechter wird in der ergänzten Fassung des Satz 18 festgeschrieben. Das Ziel der Gleichberechtigung der sexuellen Orientierungen „Heterosexualität“ und „Homosexualität“ hingegen nicht. Aber gerade Beratungsstellen für lesbische und schwule Jugendliche sind notwendig, um diesen ein selbstbewusstes, angstfreies und selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Homophobie, Diskriminierung und Gewalt sind immer noch allgegenwärtig, und Organisationen, die sich mit Aufklärung und Beratung gegen diesen Missstand wenden, leisten einen großen Dienst am gesellschaftlichen Zusammenhalt. Auch hier gilt, dass die Gemeinnützigkeit dieser Körperschaften isoliert vom gesellschaftlichen Diskurs über Eheöffnung, Bildungspläne und Adoption zu betrachten ist!
Uns ist bewusst, dass „heterosexuell“ und „homosexuell“ nur die zwei häufigsten Orientierungen abbilden. Eine globale Formulierung ist jedoch aufgrund abzulehnender Orientierungen (z.B. Pädophilie) nicht möglich. Den Vereinen mit den Themen „Bi-, Poly-, Pan- und Asexualität“ wäre aber auch mit der vorgeschlagenen Ergänzung sehr geholfen.

 

27. (neuer Absatz, Alternative zur Ergänzung des Satz 18) die Förderung der Erforschung, Hilfe und Beratung in Fragen der geschlechtlichen Identität;

Begründung
Da die Begriffe „Transsexualität“, „Transidentität “ und „Intersexualität“ noch immer in der Wissenschaft und bei den Betroffenen diskutiert werden, wäre diese alternative Ergänzung eine Möglichkeit, einer begrifflichen Unschärfe entgegenzuwirken. Gleichzeitig würde sich hiermit auch der Nachweis der Gemeinnützigkeit für Körperschaften der Frauen- und Männerforschung sowie deren Beratung erleichtern.
Diese vorgeschlagene Ergänzung folgt den Resolutionen 2048 (2015) und 1952 (2013) der parlamentarischen Versammlung des Europarates.

 

 

 


Projekt 100% MENSCH

Die Projekt 100% MENSCH gemeinnützige UG (haftungsbeschränkt) fördert und fordert die komplette Gleichstellung und Akzeptanz gleichgeschlechtlich liebender Menschen und die Gleichberechtigung aller Geschlechter (LSBTTIQA).

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