• Zeig sie an!

In Kooperation mit
VelsPol Deutschland e.V. und VelsPolBW e.V.
Das LSBTI*-Mitarbeiternetzwerk
in der Polizei, Justiz und Zoll

Zeig sie an!

Im Jahr 2017 gab es laut einer Statistik des Bundesministerium des Innern (BMI) in Deutschland 304 Straftaten, die aufgrund der sexuellen Orientierung und/oder des Geschlechts der Opfer verübt wurden.

Diese Straftaten wurden der Hasskriminalität zugeordnet.
72 davon waren Gewalttaten.

Ein Großteil der Straftaten wird nicht angezeigt. Die Dunkelziffer liegt bei über 90%.

Mit unserer Kampagne möchten wir Dir einen kurzen Leitfaden an die Hand geben, was Du tun kannst, wenn Du aufgrund Deiner sexuellen Orientierung und/oder Deines Geschlechts von einer Straftat betroffen bist.

Was ist Hasskriminalität?

Wenn Straftaten gegen eine Person wegen ihrer sexuellen Orientierung und/oder ihres Geschlechts gerichtet sind, werden diese der „Politisch Motivierten Kriminalität“ (PMK) zugeordnet. Diese wird auch als Hasskriminalität bezeichnet.

Wenn Anzeichen für PMK vorliegen, muss die Polizei dies dem zuständigen polizeilichen Staatsschutz melden. Hier werden dann die notwendigen Ermittlungen durchgeführt. Die Landeskriminalämter und das Bundeskriminalamt führen über die begangenen Straftaten eine Statistik.

Das Bundesinnenministerium betrachtet politisch motivierte Straftaten als „besondere Bedrohung unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung“. Daher wird politisch motivierte Kriminalität wegen ihrer besonderen Schwere härter bestraft und gesondert in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) aufgeführt.

Was kann angezeigt werden?

Generell kann jede Straftat zu einer politisch motivierten Straftat werden, wenn diese eindeutig aufgrund der sexuellen Orientierung und/oder des Geschlechts erfolgt.

LGBTIQ* sind häufig betroffen von:

  • Beleidigung („Scheiß Lesbe!“)
  • Körperverletzung (Schlag gegen den Körper, weil Du queer bist.)
  • Bedrohung („Dich schwule Sau bring ich um!“)
  • Erpressung („Zahl oder ich sage allen, dass Du trans bist!“)
  • Sexuelle Nötigung („korrigierende“ Vergewaltigung)
  • Üble Nachrede/Verleumdung (Denunzierung, Zwangsouting)
  • Sachbeschädigung („Kampflesbe“ in den Autolack geritzt)

Bei homo-, bi- oder transfeindlichen Körperverletzungen (sogenannte „sonstige menschenverachtende Beweggründe“) besteht laut RiStBV ein besonderes öffentliches Interesse an der Verfolgung der Straftat!


RiStBV: Richtlinien für das Strafverfahren und das Bußgeldverfahren

Straftaten im Internet

Neben Beleidigungen kommt es leider auch immer wieder zum Straftatbestand der Volksverhetzung im Internet.
Volksverhetzung (§130 StGB)
Das Gesetz stellt unter anderem die Verbreitung von Schriften (also auch von Posts und Kommentaren!) unter Strafe, welche zum Hass oder zur Gewalt gegen einen Teil der Bevölkerung (z.B. LGBTIQ*) auffordern oder die Menschenwürde eines Teils des Bevölkerung dadurch angreifen, dass dieser beschimpft, böswillig verächtlich gemacht oder verleumdet wird.

Beispiele die zu Verurteilungen führten:
„Gruppe-XY sollte man vergasen/an die Wand stellen!“
„Gruppe-XY sind Untermenschen/degeneriert!“
„Gruppe-XY sind widernatürlich/abartig!“

Was kannst Du tun?
1. Mach einen Screenshot mit Datum und URL des Artikels bzw. vom Post und den Kommentaren (gesamter Verlauf).
2. Mach einen Screenshot des Impressums bzw. des Profils der schreibenden Person mit URL.
3. Erstatte Anzeige und stelle einen Strafantrag bei der Polizei.
4. Fordere den Websitebetreiber (z.B. YouTube) zum Löschen auf.

ES GEHT UM DICH!

Gewalt in der Beziehung

Körperliche, psychische und emotionale Gewalt kommen leider auch in Beziehungen vor. Gewalt beginnt hier nicht erst beim Bluterguss oder der Vergewaltigung. Einschüchterung, Verbote („Das ziehst Du nicht an!“), absichtliches Angst machen, emotionale Erpressung („Wenn Du mich liebst, machst Du…“), Demütigungen, ständige Kontrolle (Dein Smartphone gehört nur Dir!), Überreden zu sexuellen Praktiken, die Du nicht machen möchtest und ähnliches, haben in einer Beziehung absolut keinen Platz!
Mach Dir klar: Schuld ist immer nur, wer die Gewalt ausübt! Keine Beziehung ist es wert, dass Du Dich schlagen oder kaputt machen lässt! Sprich mit Deinen Freund*innen über Deine Situation. Es gibt auch Organisationen, die Dir helfen!

Gummi abziehen

Beim Sex ohne das Wissen und Einverständnis des*der Partner*in das Kondom abzuziehen, ist eine Straftat. Das sogenannte „Stealthing“ stellt einen sexuellen Übergriff bzw. eine Vergewaltigung da!
Scham ist hier fehl am Platz – ruf die Polizei!

WEHR DICH!

Betroffene von Hasskriminalität leiden deutlich häufiger an Depressionen, Stress und einer niedrigeren Lebenszufriedenheit! Dein psychisches und emotionales Wohlbefinden leidet!
Werde aktiv und wehr Dich gegen die Täter*innen! Eine Anzeige hilft Dir bei der Verarbeitung!

WAS BRINGT EINE ANZEIGE?

Jede Anzeige landet in den Statistiken. Diese erzeugen den notwendigen politischen Druck, um die Situation von LGBTIQ* zu verbessern. Denn was nicht in den Statistiken landet, existiert in den Augen der Politik nicht!

Der Druck kann z.B. Folgendes bewirken:

  • Stärkere Aufklärung an Schulen
  • Auf- bzw. Ausbau der Schulungen in Behörden und Verwaltung
  • Erhöhung des rechtlichen Schutzes
  • Verstärkte Einrichtung von Ansprechpersonen bei Polizei, Justiz, Kommunen und Arbeitgeber*innen.

WAS TUN IM ERNSTFALL?

  • Sprich die Angreifenden in der Dritten Person („Sie“) an, damit Umstehende merken, dass es fremde Personen sind.
  • Verzichte lieber auf Deinen Geldbeutel als auf Deine Gesundheit!
  • Mache andere lautstark auf Deine Lage aufmerksam und bitte konkrete Personen um Hilfe! („Hey Du im roten T-Shirt, hilf mir bitte und ruf die Polizei!“)
  • Rufe bei unmittelbarer Gefahr laut um Hilfe.
  • Rufe im Notfall (z. B. bei direkten Angriffen oder Diebstahl) die Polizei unter 110 an.
  • Sprich nach dem Vorfall, wenn möglich, Zeug*innen an.
  • Bei Onlinebedrohung, Erpressung, Verleumdung etc. erstatte die Anzeige nicht unmittelbar nach der Tat. Versuche Dich zunächst zu beruhigen.
  • Fertige ein schriftliches Gedächtnisprotokoll über den Ablauf der Tat an.
  • Nimm zur Anzeigenerstattung bei der Polizei eine Vertrauensperson mit.
  • Notiere Dir das Aktenzeichen für eventuelle Nachfragen Deines Rechtsbeistandes.

WICHTIG bei einer Anzeige: Weise deutlich darauf hin, dass die Tat aufgrund Deiner sexuellen Orientierung und/oder Geschlechts erfolgte und es sich daher um Hasskriminalität handeln könnte. Bestehe darauf, dass dies auch so im Anzeigenprotokoll steht (evtl. Unterschrift verweigern, Vertrauensperson als Zeug*in).

UND WENN MIR KEINER GLAUBT?

Sollte man Dir nicht glauben, so wende Dich an Deinen Rechtsbeistand (Rechtsanwält*in). Dieser erstattet dann für Dich Anzeige bei der Polizei oder Staatsanwaltschaft.
Viele Bundesländer haben bei der Polizei Ansprechpersonen für LGBTIQ* – diese sind speziell geschult und meist selbst aus der Regenbogen-Community
Wenn Du das Gefühl hast, nicht respektvoll behandelt worden zu sein, so kannst Du Dich im zuständigen Polizeipräsidium beschweren! Das Polizeipräsidium hat die Aufsicht über die einzelnen Polizeireviere.
Wende Dich an eine Hilfseinrichtung in Deiner Stadt oder Deinem Bundesland. Wenn Du nicht weißt, wer dafür in Frage kommt, sprich mit einer LGBTIQ*- Organisation vor Ort.

PRÄVENTION

  • Nimm Deine Gefühle und Instinkte ernst!
  • Reagiere sofort!
  • Gehe Gefahren aus dem Weg!
  • Halte bewusst Distanz!
  • Entziehe Dich den Täter*innen!
  • Verzichte auf körperliche Gegenwehr! Bringe dich nicht in Gefahr!
  • Wenn Du Dich über eine Kontaktbörse im Internet verabredest, mach einen Screenshot vom Profil des Kontaktes.
  • Wenn Du eine*n Fremde*n in Deine Wohnung mitnimmst, lass keine Wertsachen offen rumliegen.
  • Lass Dein Getränk auf Partys oder in Kneipen nicht unbeaufsichtigt.

Ansprechpersonen für gleichgeschlechtliche Lebensweisen bei der Polizei

Im folgenden findest Du Ansprechpersonen bei der Polizei in den einzelnen Bundesländern und Städten. Die Ansprechpersonen sind speziell geschult und meist selber Teil der Community – sie wissen also genau, wovon Du sprichst! Sie können Dir helfen!

Die Liste ist leider noch nicht vollständig – wir arbeiten daran. In manchen Bundesländern gibt es noch keine Ansprechpersonen – auch hieran arbeiten wir gemeinsam mit VelsPol und anderen Organisationen!

Baden-Württemberg

Velspol Baden-Württemberg e.V.: https://www.velspol-bw.de/

Ansprechpersonen

PP Aalen:
Schwäbisch Hall, Waiblingen

Loch, Markus (PP Aalen)
Tel. 0791 400579
Email: aalen.pp.agl@polizei.bwl.de

Försching, Stefan (PP Aalen)
Email: aalen.pp.agl@polizei.bwl.de

PP Freiburg

Ledwig, Rainer (PP Freiburg)
Email: freiburg.pp.agl@polizei.bwl.de

Matusche, Danila (PP Freiburg)
Email: freiburg.pp.agl@polizei.bwl.de

PP Heilbronn:
Heilbronn, Mosbach, Hohenlohekreis, Main-Tauber-Kreis

Hinderhauser, Thomas (PP Heilbronn,
Email: heilbronn.pp.agl@polizei.bwl.de

PP Karlsruhe:
Karlsruhe, Pforzheim, Calw

Ehrhart, Dominic (PP Karlsruhe)
Tel. 0721 86426477
Email: karlsruhe.pp.agl@polizei.bwl.de

PP Konstanz:
Konstanz, Friedrichshafen, Ravensburg, Sigmaringen

Rölke, Dana (PP Konstanz)
Email: konstanz.pp.agl@polizei.bwl.de

PP Ludwigsburg:
Ludwigsburg, Böblingen

Seiter, Karen (PP Ludwigsburg)
Tel. 07141 185031
Email: ludwigsburg.pp.agl@polizei.bwl.de

PP Mannheim:
Mannheim, Heidelberg, Rhein-Neckar-Kreis

Rehberger, Adrian (PP Mannheim)
Email: adrian.rehberger@polizei.bwl.de
Tel. 0621 1740 (Zentrale)

Stopp, Christine (PP Mannheim)
Email: christine.stopp@polizei.bwl.de
Tel. 0621 1740 (Zentrale)

PP Offenburg:
Raststatt, Baden-Baden, Offenburg

Fischer, Diana (PP Offenburg)
Institut für Ausbildung und Training
Institutsbereich Ausbildung Lahr Tel. 07222 761-311
Email: offenburg.pp.agl@polizei.bwl.de

Müller, Sven (PP Offenburg)
Institut für Ausbildung und Training
Institutsbereich Ausbildung Lahr Tel. 0781 21-1700
Email: offenburg.pp.agl@polizei.bwl.de

PP Reutlingen:
Esslingen, Reutlingen, Tübingen

Waibel, Christian (PP Reutlingen)
Tel. 0711 3990-434
Email: reutlingen.pp.agl@polizei.bwl.de

Blumerski, Anne-Luise (PP Reutlingen)
Email: reutlingen.pp.agl@polizei.bwl.de
Tel. 0711 3990-434

PP Stuttgart: Stuttgart

Kunft, Alexandra (PP Stuttgart)
Tel. 0711 8990-5317
Email: stuttgart.pp.agl@polizei.bwl.de

Ulmer, Thomas (PP Stuttgart)
Tel. 0711 8990-5421
Email: stuttgart.pp.agl@polizei.bwl.de

Zimmermann, Julia (PP Stuttgart)
Tel. 0711 8990-3162
Email: stuttgart.pp.agl@polizei.bwl.de

PP Tuttlingen:
Tuttlingen, Balingen, Rottweil, Schwarzwald-Baar-Kreis

Thiele, Inka (PP Tuttlingen)
Tel. 0771 83783-135
Email. inka.thiele@polizei.bwl.de

PP Ulm:
Ulm, Göppingen, Heidenheim, Biberach

Gasser, Yvonne (PP Ulm)
Tel. 07161 9381-0
Email: ulm.pp.agl@polizei.bwl.de

Bayern

VelsPol Bayern e.V.: http://www.velspol-bayern.de/

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Berlin

VelsPol Berlin-Brandenburg e.V.: http://www.velspol-bb.de/

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Brandenburg

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Bremen

VelsPol Nordwest e.V..: https://velspol-nordwest.de/

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Hamburg

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Hessen

VelsPol Hessen e.V.: http://www.velspol-hessen.de/

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Mecklenburg-Vorpommern

VelsPol Mecklenburg-Vorpommern e.V.: http://www.velspol-mv.de/

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Niedersachsen

VelsPol Nordwest e.V..: https://velspol-nordwest.de/

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Nordrhein-Westphalen

VelsPol NRW e.V.: https://www.velspol-nrw.de/

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Rheinland-Pfalz

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Saarland

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Sachsen

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Sachsen-Anhalt

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Schleswig-Holstein

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Thüringen

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