Lexikon – Asexualität
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Asexualität
Asexualität bzw. a_sexuell ist ein Spektrum von sexuellen Orientierungen von Menschen, die kein oder wenig sexuelles Begehren empfinden. Als a_sexuell (ace) bezeichnen sich also Menschen, die keine oder wenig sexuelle Anziehung gegenüber anderen Personen verspüren. Asexualität ist eine sexuelle Orientierung wie jede andere auch – keine Störung, keine Phase und keine Folge fehlender Gelegenheit.
Das asexuelle Spektrum (ace-Spektrum)
Neben der Schreibweise „asexuell“ wird manchmal auch „a_sexuell“ genutzt, um zu zeigen, dass Asexualität ein Spektrum mit vielen verschiedenen Abstufungen ist. Dieses Spektrum wird auch ace-Spektrum oder ace-Schirm (englisch: ace umbrella) genannt und fasst mehrere Identitäten zusammen, die sich zwischen „gar keiner“ und „häufiger“ sexueller Anziehung bewegen. Zu den wichtigsten gehören:
- grau-asexuell (auch grau-ace, graysexuell, gray-A): Menschen, die sexuelle Anziehung nur selten, nur schwach ausgeprägt, unter bestimmten Umständen oder auf eine für sie schwer greifbare Weise erleben. Grau-asexuell beschreibt bewusst die „Grauzone“ zwischen asexuell und allosexuell.
- demisexuell: Menschen, die sexuelle Anziehung erst dann empfinden, wenn zuvor eine enge emotionale Bindung zu einer Person entstanden ist. Demisexualität zählt zum ace-Spektrum; nicht alle demisexuellen Menschen verstehen sich zugleich als asexuell.
Anziehung ist nicht gleich Verlangen
Wichtig ist die Unterscheidung von drei Ebenen, die oft verwechselt werden:
- Sexuelle Anziehung – das Hingezogensein zu einer anderen Person. Sie fehlt bei asexuellen Menschen ganz oder weitgehend.
- Verlangen / Libido – ein körperlicher Zustand, der durchaus vorhanden sein kann. Auch Selbstbefriedigung schließt Asexualität nicht aus.
- Verhalten – ob jemand Sex hat oder nicht. Manche a_sexuellen Menschen haben Sex (etwa aus Nähe zur*zum Partner*in), andere nicht.
Auch körperlicher Kontakt mit anderen Menschen (z. B. Kuscheln, Küssen) ist nicht ausgeschlossen, hat für a_sexuelle Menschen jedoch häufig keine sexuelle Bedeutung.
Sexuelle und romantische Anziehung getrennt gedacht
A_sexuelle Menschen müssen nicht automatisch aromantisch sein, d. h. sie können sehr wohl in einer romantischen und liebevollen Beziehung leben oder sich diese wünschen, allerdings ohne sexuelles Begehren in Bezug auf die andere Person. Romantische Anziehung wird deshalb eigenständig beschrieben – etwa als hetero-, homo-, bi-, pan– oder aromantisch. Eine Person kann also zum Beispiel asexuell und zugleich biromantisch sein.
Wie a_sexuelle Menschen zu Sex stehen
Ob eine Person ace ist, sagt nichts darüber aus, wie sie Sex gegenüber empfindet. Das reicht von sex-positiv bzw. sex-offen (Sex kann in Ordnung sein) über sex-indifferent/neutral bis hin zu sex-abgeneigt oder sex-ablehnend (englisch sex-repulsed). All diese Haltungen sind gleichermaßen gültig und Teil des Spektrums.
Gesellschaftliche Norm und Unverständnis
Häufig stoßen a_sexuelle Menschen auf Unverständnis, denn Beziehungen und sexuelles Begehren gelten noch immer als gesellschaftliche Norm (siehe Allonormativität). Ace Personen werden oft gefragt, ob ihnen sexuelle Beziehungen mit anderen Menschen fehlen würden. Nein – denn wo kein Verlangen vorhanden ist, entsteht auch kein Gefühl des Fehlens. Diese ständige Erklärungserwartung kann belastend sein und führt nicht selten dazu, dass Asexualität übersehen oder nicht ernst genommen wird.
Sichtbarkeit und Community
Eine wichtige Rolle für Sichtbarkeit und Vernetzung spielt AVEN (Asexual Visibility and Education Network), das seit 2001 als größte internationale Community-Plattform Aufklärung leistet. Als Symbol dient die Ace-Flagge mit vier waagerechten Streifen: Schwarz steht für Asexualität, Grau für die Grauzone (grau-asexuell/demisexuell), Weiß für allosexuelle Menschen und Verbündete, Violett für die Gemeinschaft. Schätzungen gehen davon aus, dass rund ein Prozent der Menschen asexuell ist – belastbare Daten sind jedoch begrenzt, und die Zahl dürfte je nach Definition schwanken.

