Lexikon – Beziehung
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Beziehung
Liebe und Partnerschaft sind vielfältig! Beziehungen können monoamourös (Paare) oder auch polyamourös (mehrere Personen) gestaltet sein, offen oder geschlossen geführt werden – und weit über das klassische Zweier-Modell hinausgehen. Beziehungsmodelle beschreiben dabei, wie Menschen ihre Beziehungen gestalten, und sind unabhängig von sexueller Orientierung, romantischer Orientierung oder Geschlecht: Jede*r kann jedes Modell leben.
Monoamourös und polyamourös
Monoamourös beschreibt einen Menschen, der seine romantische Aufmerksamkeit nur auf eine Person zur selben Zeit richtet.
Polyamourös bezeichnet eine Person, die ihre romantische Aufmerksamkeit zur selben Zeit auf mehr als eine Person richten kann – im Wissen und Einverständnis aller Beteiligten. Polyamorie meint dabei mehrere Liebesbeziehungen, nicht nur sexuelle Kontakte.
Offen und geschlossen
Die Begriffe „offen“ und „geschlossen“ beschreiben, ob es sexuelle Kontakte außerhalb der Beziehung(sgruppe) gibt:
- Geschlossen-monoamourös: Sex findet ausschließlich zwischen den Beziehungspartner*innen statt.
- Offen-monoamourös: eine romantische Paarbeziehung, die in Absprache auch sexuelle Kontakte außerhalb der Partnerschaft zulässt.
- Geschlossen-polyamourös: Innerhalb einer Beziehungsgruppe finden sexuelle Kontakte nur untereinander statt. Dabei müssen nicht alle Gruppenmitglieder miteinander eine (sexuelle) Beziehung haben.
- Offen-polyamourös: Liebesbeziehungen zwischen mehreren Menschen, bei denen die Partner*innen auch sexuelle Kontakte außerhalb der Gruppe haben können.
Einvernehmlichkeit – der entscheidende Unterschied
Was all diese Modelle von Fremdgehen unterscheidet, ist Einvernehmlichkeit: Alle Beteiligten wissen Bescheid und sind einverstanden. Der Oberbegriff dafür lautet einvernehmliche (oder konsensuelle) Nicht-Monogamie (englisch ethical/consensual non-monogamy, ENM/CNM). Grundlage sind offene Kommunikation, Absprachen und Vertrauen – nicht Heimlichkeit. Nicht-Monogamie ist damit kein Synonym für Untreue, sondern deren bewusstes Gegenteil.
Weitere Beziehungsmodelle
Neben den genannten Formen haben sich weitere Begriffe etabliert:
- Beziehungsanarchie (englisch relationship anarchy): der bewusste Verzicht auf feste Rangordnungen und Kategorien zwischen Beziehungen. Freundschaften, Liebe und Partnerschaft werden nicht hierarchisch bewertet, sondern individuell ausgehandelt.
- Hierarchische vs. nicht-hierarchische Polyamorie: Bei ersterer gibt es z. B. eine*n Primärpartner*in und weitere (sekundäre) Beziehungen; bei letzterer werden Beziehungen als gleichwertig verstanden.
- Solo-Polyamorie: mehrere Beziehungen führen, ohne eine*n feste*n Hauptpartner*in oder ein gemeinsames „Wir“ (z. B. ohne Zusammenziehen) in den Mittelpunkt zu stellen.
- Mono-Poly: eine Konstellation, in der eine Person monoamourös lebt und ihr*e Partner*in polyamourös.
- Swingen: meist Paare, die einvernehmlich gemeinsam sexuelle Kontakte mit anderen haben, häufig ohne romantische Bindung.
Jenseits der Zweierlogik
Nicht jede wichtige Beziehung ist romantisch oder sexuell. Queerplatonische Beziehungen – tiefe, verbindliche Bindungen jenseits der Kategorien „Freundschaft“ und „romantische Beziehung“ – und Wahlfamilien (selbst gewählte, familienähnliche Netzwerke) sind für viele Menschen ebenso zentral. Sie stellen die Annahme infrage, eine exklusive romantische Paarbeziehung sei das einzig erstrebenswerte Lebensmodell.

