Lexikon – Gender- und Körperdysphorie
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Gender- und Körperdysphorie
Bei Dysphorie (griechisch dysphoria, „schwer zu ertragen“, „Unwohlsein“ – das Gegenteil von Euphorie) handelt es sich um ein körperliches, psychisches oder soziales Unwohlsein, das bei trans und nicht-binären Menschen durch die Eigen- und Fremdwahrnehmung entstehen kann. Dieses Unwohlsein kann beispielsweise durch unzutreffende Pronomen, Namen, Kleidung oder körperliche Merkmale ausgelöst werden.
Gender- und Körperdysphorie
Man unterscheidet zwei Formen:
Genderdysphorie (auch soziale Dysphorie) bezeichnet den Leidensdruck, der entsteht, wenn die gesellschaftlich erwartete Geschlechterrolle nicht mit dem eigenen Geschlechtsbewusstsein übereinstimmt – etwa wenn von einer männlichen (bei der Geburt aber „weiblich“ zugewiesenen) Person weiblich normiertes Verhalten und weibliche Kleidung erwartet wird oder sie mit einem weiblichen Pronomen angesprochen wird.
Körperdysphorie beschreibt den Leidensdruck, der durch die Nichtübereinstimmung von körperlichen Merkmalen und Geschlechtsbewusstsein entsteht. Viele davon betroffene Menschen ergreifen körperangleichende Maßnahmen wie eine Hormontherapie oder Operationen. Die Stärke des Leidensdrucks variiert von Person zu Person und kann je nach Situation unterschiedlich sein.
Inkongruenz ist nicht gleich Dysphorie
Wichtig ist die Unterscheidung zweier Ebenen:
- Geschlechtsinkongruenz meint die Nichtübereinstimmung selbst – dass Geschlechtsidentität und das bei der Geburt zugewiesene Geschlecht nicht zusammenpassen. Das ist zunächst ein neutraler Zustand.
- Geschlechtsdysphorie meint das Leiden, das aus dieser Nichtübereinstimmung entstehen kann – aber nicht muss.
Es gibt auch trans und nicht-binäre Menschen, die keine Dysphorie empfinden. Dysphorie ist nicht notwendig, um sich selbst als trans oder nicht-binär zu beschreiben.
Keine psychische Krankheit
Trans zu sein ist keine psychische Störung. Das spiegelt sich inzwischen auch in der medizinischen Klassifikation: Seit dem 1. Januar 2022 gilt international die ICD-11 der Weltgesundheitsorganisation. Die frühere Diagnose „Transsexualismus“ wurde durch „Geschlechtsinkongruenz“ ersetzt und aus dem Kapitel der psychischen Störungen herausgenommen – sie steht nun in einem eigenen Kapitel zu „Zuständen mit Bezug zur sexuellen Gesundheit“. Die Diagnose bleibt bestehen, damit der Zugang zu medizinischen Leistungen begründet werden kann, gilt aber ausdrücklich nicht mehr als Krankheit. Bereits das DSM-5 (2013) hatte den Störungsbegriff fallen gelassen und spricht von „Geschlechtsdysphorie“. In Deutschland läuft die Umstellung auf die ICD-11 noch.
Wichtig ist außerdem: Wo trans und nicht-binäre Menschen psychisch leiden, hat das sehr oft weniger mit dem Trans-Sein selbst zu tun als mit Stigmatisierung, Diskriminierung und fehlender Anerkennung (Minderheitenstress).
Was helfen kann – und Geschlechtseuphorie
Dysphorie lässt sich lindern, und was hilft, ist individuell verschieden. Für viele Menschen ist bereits soziale Anerkennung entlastend: der richtige Name, die richtigen Pronomen, passende Kleidung und ein Umfeld, das sie so sieht, wie sie sind. Andere entscheiden sich – wenn sie das möchten – für medizinische Schritte. Unterstützung finden Betroffene zudem in queeren Community- und Beratungsangeboten.
Das positive Gegenstück zur Dysphorie ist die Geschlechtseuphorie (Gender Euphoria): das Gefühl von Freude, Stimmigkeit und Erleichterung, wenn das eigene Geschlecht gesehen, ausgedrückt und anerkannt wird. Sie zeigt, dass es nicht nur darum geht, Leid zu vermeiden, sondern auch darum, sich selbst gut und ganz zu fühlen.

