Lexikon – Gyno-/Femme- / Andro-/ Ceterosexuell
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Gyno-/Femme- / Andro-/ Ceterosexuell
Die Begriffe andro-, gyno-/femme- und cetero- (früher skolio-)sexuell beschreiben sexuelle Orientierungen, die von einem offenen Verständnis von Geschlecht ausgehen – also davon, dass es mehr als die zwei Geschlechter „männlich“ und „weiblich“ gibt.
In einem nicht-binären Geschlechtersystem verlieren Begriffe wie homosexuell oder heterosexuell an Aussagekraft: Wenn es nicht nur männlich und weiblich gibt, sagt „heterosexuell“ nicht mehr eindeutig, zu welchem Geschlecht sich ein Mensch hingezogen fühlt. Andro-, gyno- und ceterosexuell ermöglichen dagegen Aussagen über die sexuelle Orientierung einer Person, ohne das eigene Geschlecht dieser Person offenzulegen.
Die Begriffe im Einzelnen
- Androsexuell (von griechisch andros = „Mann“): Anziehung zu Menschen, die als „männlich“ gelesen werden.
- Gyno-/Femmesexuell (von griechisch gyne = „Frau“): Anziehung zu Menschen, die als „weiblich“ gelesen werden.
- Ceterosexuell (von lateinisch ceterus = „die/das Übrige“; auch allotroposexuell): Anziehung zu nicht-binären Menschen.
So kann sowohl eine heterosexuelle Frau als auch ein schwuler Mann als „androsexuell“ bezeichnet werden – das Begehren beider richtet sich auf männlich gelesene Personen.
„Skoliosexuell“: ein veralteter, kritisierter Begriff
Früher wurde für die Anziehung zu nicht-binären Menschen häufig der Begriff skoliosexuell verwendet (um 2010 geprägt). Er gilt heute als problematisch, aus zwei Gründen:
- Die Vorsilbe „skolio-“ bedeutet im Griechischen „krumm“ oder „verbogen“ (wie in „Skoliose“). Das legt nahe, nicht-binäre Menschen seien „schief“ oder „falsch“.
- Viele frühe Definitionen fassten „skoliosexuell“ als Anziehung zu nicht-binären und trans Menschen (oder allen „nicht-cis“ Menschen). Das grenzt trans Menschen aus und fetischisiert sie – als wären trans Frauen keine Frauen und trans Männer keine Männer.
Deshalb werden heute ceterosexuell oder allotroposexuell bevorzugt, die sich ausdrücklich nur auf nicht-binäre Menschen beziehen. Wichtig ist: trans Frauen sind Frauen und trans Männer sind Männer – sie sind selbstverständlich in Orientierungen wie hetero-, homo-, bi- oder pansexuell eingeschlossen und brauchen keine „eigene“ Kategorie.
Herkunft
Der Gedanke, Anziehung zu beschreiben, ohne das eigene Geschlecht zu benennen, ist nicht neu: In der Sexualwissenschaft gibt es dafür die älteren Begriffe Androphilie und Gynephilie (Anziehung zu Männlichkeit bzw. Weiblichkeit). Die hier genannten „-sexuell“-Begriffe sind gemeinschaftliche Weiterentwicklungen dieser Idee.
Ein neuer Blickwinkel – und offene Fragen
Diese Begriffe sind noch relativ unbekannt und werden diskutiert. Sie beschreiben Anziehung anhand dessen, wie Menschen gelesen werden (also anhand der Geschlechtspräsentation) – auch das ist umstritten, da sich Anziehung ebenso auf Personen und Identitäten richten kann, nicht nur auf ein „Erscheinungsbild“. Wie bei allen Labels gilt: Sie sind ein Angebot, das jede Person für sich annehmen oder ablehnen kann.

