Lexikon – Internalisierung
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Internalisierung
Der Begriff „Internalisierung“ (von lateinisch internus = „innen befindlich“) bezeichnet die Verinnerlichung von außen kommender Erwartungen, Normen, Werte und Rollen einer Gemeinschaft. Diese werden zum Beispiel durch Erziehung und Sozialisation so gelernt, dass sie als zur eigenen Person gehörend und „richtig“ wahrgenommen werden. Diese Prozesse laufen größtenteils unbewusst ab. Weicht das eigene Verhalten von den gelernten Erwartungen ab, geht das oft mit Schuldgefühlen einher.
Internalisierte Queerfeindlichkeit
Homo- und Transfeindlichkeit, aber auch Rassismus, Ableismus und andere Abwertungen sind so tief in der Gesellschaft verankert, dass Kinder häufig schon wissen, dass etwa Homosexualität abgewertet „werden soll“, noch bevor sie eine klare Vorstellung davon haben, was Homosexualität überhaupt ist.
Wenn Menschen diese abwertenden Botschaften über die eigene Gruppe verinnerlichen und gegen sich selbst richten, spricht man von internalisierter Queerfeindlichkeit – also internalisierter Homo-, Trans-, Bi-, Inter- oder Ace-Feindlichkeit. Sie ist ein Sonderfall der internalisierten Unterdrückung. Ganz wichtig dabei: Das ist keine persönliche Schwäche und nicht die Schuld der Betroffenen, sondern eine erlernte Reaktion auf eine feindliche Umwelt – und sie ist veränderbar.
Wie sie sich zeigen kann
Internalisierte Queerfeindlichkeit kann sich sehr unterschiedlich äußern, zum Beispiel als:
- Scham über die eigene Orientierung oder Identität und Angst vor Bloßstellung,
- das Verstecken oder Kleinhalten der eigenen Person,
- starke Selbstkritik und das Gefühl, „nicht in Ordnung“ zu sein,
- überzeichnete Männlichkeitspräsentation als vermeintlicher „Beweis“ von Männlichkeit,
- die Abwertung von „Weiblichkeit“ (etwa Bottomshaming oder die Diskriminierung von „Tunten“),
- die Abgrenzung von anderen queeren Menschen („Ich bin nicht wie die anderen“).
Verinnerlichte Schuld und Täter*innen-Opfer-Umkehr
Besonders belastend werden diese verinnerlichten Muster im Zusammenhang mit Gewalt- oder Krankheitserfahrungen. Gedanken wie „Ich wurde angegriffen, weil ich lesbisch bin“ verknüpfen alle negativen Erfahrungen mit der eigenen Orientierung und drehen dabei Ursache und Verantwortung um (Täter*innen-Opfer-Umkehr). Richtig ist das Gegenteil: Die Verantwortung liegt bei denen, die diskriminieren oder Gewalt ausüben – niemals beim Queersein selbst.
Zusammenhang mit der psychischen Gesundheit
Internalisierte Queerfeindlichkeit ist ein zentraler Bestandteil des sogenannten Minderheitenstresses: der zusätzlichen dauerhaften Belastung, die durch Ausgrenzung, Abwertung und die ständige Erwartung von Ablehnung entsteht. Sie kann sich erheblich auf das Wohlbefinden auswirken.
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Damit umgehen
Auch queere Menschen müssen also lernen, mit ihrer eigenen internalisierten Queerfeindlichkeit umzugehen. Der erste Schritt ist, sie überhaupt zu erkennen und zu benennen – denn was unbewusst wirkt, lässt sich schwer verändern. Hilfreich sind außerdem der Austausch in der Community, queere Vorbilder, affirmative Räume, in denen man sich nicht rechtfertigen muss, und ein freundlicher, mitfühlender Umgang mit sich selbst. Wenn diese Gefühle stark belasten, kann auch professionelle Unterstützung (etwa Beratungsstellen oder Psychotherapie) entlasten. Internalisierte Muster sind erlernt – und Erlerntes kann sich wieder verändern.

