Lexikon – Non-Binary / Nicht Binär
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Non-Binary / Nicht Binär
In westlich geprägten Gesellschaften werden Menschen meist in genau zwei Geschlechter eingeteilt: weiblich und männlich (sehe: Binäre Geschlechter). Menschen, die sich diesem Zweiersystem nicht zugehörig fühlen, ihr Geschlecht außerhalb davon verorten oder auch mehreren Geschlechtern gleichzeitig angehören, werden als nicht-binär bzw. non-binary (kurz Enby, von der englischen Abkürzung „NB“) bezeichnet. Sie sind also nicht (ausschließlich) männlich und auch nicht (ausschließlich) weiblich.
„Nicht-binär“ ist dabei zugleich ein Überbegriff für viele Geschlechter und eine eigene Selbstbezeichnung. Unter „nicht-binär“ fallen sehr unterschiedliche Geschlechter, zum Beispiel agender, neutrois, androgyn, genderfluid, bigender, genderqueer, Demi-Girls, Demi-Boys und viele mehr. Auch das Aussehen sagt nichts darüber aus: Nicht-binäre Menschen können sich androgyn präsentieren – müssen es aber nicht.
Mehr als zwei Geschlechter – überall
Dass es mehr als zwei Geschlechter gibt, zeigt der Blick über die westliche Gegenwart hinaus. Verschiedene Kulturen kennen oder kannten mehr als zwei Geschlechter – etwa Two-Spirit (bei indigenen Nationen Nordamerikas), Hijra (Südasien) oder die fünf Geschlechter der Bugis (Indonesien). Auch die jüdische rabbinische Literatur benennt sechs (je nach Zählung bis zu acht) Geschlechtskategorien, darunter androgynos, tumtum, aylonit und saris.
Wichtig ist die respektvolle Einordnung: Diese Konzepte sind tief in ihren jeweiligen Kulturen und Zeiten verwurzelt – die jüdischen Kategorien etwa sind historische, rechtlich-religiöse Einteilungen. Sie lassen sich nicht einfach mit dem heutigen Begriff „nicht-binär“ gleichsetzen.
Nicht-binär, trans und Dysphorie
Viele nicht-binäre Menschen verstehen sich zugleich als trans (weil ihr Geschlecht nicht dem bei der Geburt zugewiesenen entspricht) – andere aber nicht. Das entscheidet jede Person für sich.
Manche nicht-binäre Menschen erleben – ähnlich wie viele trans Menschen – einen Widerspruch zwischen Körpermerkmalen und Geschlecht (Körperdysphorie) oder zwischen erwarteter sozialer Rolle und Geschlecht (Genderdysphorie). Das gilt aber nicht für alle: Nicht-binär zu sein ist nicht durch Dysphorie definiert.
Pronomen und Anrede
Da man Menschen nicht ansieht, welchem Geschlecht sie sich zugehörig fühlen und welche Pronomen sie bevorzugen, gilt: einfach nachfragen. Hilfreich ist auch, sich selbst mit Pronomen vorzustellen – zum Beispiel: „Hallo, ich bin Alex, meine Pronomen sind they/them.“ Das sorgt anfangs vielleicht für Aufmerksamkeit, macht aber deutlich, dass euch das Thema wichtig ist. Nicht-binäre Menschen nutzen unterschiedliche Pronomen – im Englischen oft „they“, im Deutschen etwa Neopronomen (z. B. dey/dem, hen, xier), nur den Namen oder bewusst neutrale Formulierungen.
Rechtliches
Seit 2019 gibt es in Deutschland neben „weiblich“ und „männlich“ den Geschlechtseintrag „divers“ sowie die Möglichkeit, keinen Eintrag zu wählen. Seit dem Selbstbestimmungsgesetz (1. November 2024) können diese Einträge per Selbstauskunft beim Standesamt gewählt werden – nicht mehr nur von intergeschlechtlichen, sondern von allen Menschen, also auch von nicht-binären Personen (siehe Die Dritte Option).
Flagge und Aktionstag
Die Nicht-binär-Flagge wurde 2014 von Kye Rowan entworfen. Sie hat vier waagerechte Streifen: Gelb für Geschlechter außerhalb der Zweiteilung, Weiß für mehrere oder alle Geschlechter, Violett für eine Mischung aus männlich und weiblich und Schwarz für Menschen ohne Geschlecht (agender). Am 14. Juli wird der Internationale Nicht-binär-Tag begangen.

