Lexikon – Privileg
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Privileg
Ein Privileg (von lateinisch „privilegium“ – Ausnahmegesetz) bezeichnet ein Vorrecht bzw. einen Vorteil, der bestimmten Personengruppen zuteilwird. Es gibt viele Arten von Privilegien, die sich aus körperlichen und psychischen Merkmalen (z. B. Geschlecht, Hautfarbe, Gesundheit), sozialen Merkmalen (z. B. Bildung, Finanzen) und anderen Faktoren ergeben.
Grundsätzlich haben privilegierte Menschen einen gesellschaftlichen Vorteil. Diese Vorteile reichen von nicht erfahrener Diskriminierung bis hin zu besserer Bezahlung und bevorzugter Behandlung.
Wichtig zum Verständnis: Ein Privileg zu haben bedeutet nicht, ein leichtes Leben zu führen oder nichts geleistet zu haben. Es bedeutet, dass einem bestimmte Hürden erspart bleiben, mit denen andere zu kämpfen haben. Auch privilegierte Menschen können es schwer haben – nur eben nicht wegen des Merkmals, das ihnen das Privileg verschafft.
Privilegien sind oft unsichtbar
Vielen Menschen sind die eigenen Privilegien nicht bewusst – gerade weil sie als „normal“ erscheinen. Wer der gesellschaftlichen Norm entspricht, erlebt seine Vorteile nicht als Vorteile, sondern als Selbstverständlichkeit (siehe auch Cisnormativität und Heteronormativität). Dadurch werden Menschen ohne diese Privilegien oft ungewollt benachteiligt. Beispiele für Privilegien sind etwa,
- die Hand der*des Partner*in in der Öffentlichkeit halten zu können, ohne Angst vor Anfeindungen,
- sich in Medien, Werbung und Schulbüchern selbstverständlich wiederzufinden,
- Formulare und Ämter vorzufinden, die zum eigenen Namen und Geschlecht passen,
- sich in Gebäuden und im öffentlichen Raum ohne Barrieren bewegen zu können.
Privileg und Benachteiligung zugleich
Privileg ist kein Alles-oder-nichts: Ein Mensch kann auf einer Ebene privilegiert und auf einer anderen benachteiligt sein (siehe Intersektionalität). Ein weißer schwuler Mann etwa erfährt Homofeindlichkeit, profitiert aber zugleich von weißen und männlichen Privilegien.
Genau deshalb sind pauschale Aussagen wie „Alle Männer sind privilegiert“ umstritten: Männlichkeit bringt zwar in patriarchalen Strukturen Vorteile mit sich, aber weitere Faktoren (etwa Herkunft, Hautfarbe, Behinderung oder Queerness) wirken immer mit hinein. Patriarchale Strukturen finden sich dabei auch innerhalb der LSBTIQA*-Community – etwa darin, dass ein Großteil der Fördergelder an männerdominierte Organisationen vergeben wird.
Es geht nicht um Schuld
Die eigenen Privilegien zu erkennen bedeutet nicht, sich schuldig zu fühlen oder ein „schlechter Mensch“ zu sein. Niemand hat sich seine Privilegien ausgesucht. Es geht vielmehr um Bewusstsein und Verantwortung: darum, die eigene Position wahrzunehmen und sie nicht zum Nachteil anderer wirken zu lassen.
Was man mit Privilegien tun kann
Man kann die eigenen Privilegien erkennen und bewusst nutzen – zum Beispiel, um weniger privilegierten Menschen mehr Reichweite und Gehör zu verschaffen, den eigenen Zugang zu teilen, Ressourcen umzuverteilen oder sich für die Abschaffung ungerechter Privilegien und die Gleichbehandlung aller einzusetzen. Genau das ist ein wichtiger Teil von Allyship: das eigene Privileg solidarisch einzusetzen, statt es zu übersehen.

