Lexikon – Queer
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Queer
Queer bedeutet so viel wie „keine Schublade“ und steht für die Abweichung von bzw. die Ablehnung der heterosexuellen und cisgeschlechtlichen gesellschaftlichen Norm. Ursprünglich bedeutete das englische Wort „queer“ einfach „seltsam“, „eigenartig“ oder „quer“ – erst später wurde es zu einer Bezeichnung für Menschen, die nicht der Norm entsprachen.
Vom Schimpfwort zur Selbstbezeichnung
Im Englischen galt „queer“ lange Zeit als Schimpfwort für homosexuelle Menschen. Indem sich die queere Bewegung den Begriff selbst aneignete, verlor er jedoch mehr und mehr seine negative Bedeutung (= Reclaiming). Besonders ab Ende der 1980er- und Anfang der 1990er-Jahre wurde „queer“ bewusst wiederangeeignet – etwa durch die Aktivist*innengruppe Queer Nation und die akademische Queer Theory.
Heute sieht ein Großteil der LSBTIQA*-Community den Begriff als zurückerobert an. Allerdings gibt es noch immer Menschen, die „queer“ aufgrund seiner Geschichte ablehnen. Wichtig ist dabei der Kontext: Innerhalb der Community ist „queer“ eine selbstbestimmte Bezeichnung – aus dem Mund feindseliger Außenstehender kann es weiterhin als Beleidigung gemeint sein und verletzen.
Queer als Sammelbegriff
Als Sammelbegriff umfasst „queer“ alle Untergruppen der LSBTIQA*-Community, ohne einzelne hervorzuheben, auszuschließen oder zu labeln. Diese Verwendung wird jedoch teilweise kritisiert, weil befürchtet wird, die Sichtbarkeit einzelner Gruppen innerhalb der Community könne dadurch abnehmen.
Queer als eigene Identität
„Queer“ ist aber nicht nur ein Oberbegriff, sondern auch eine eigene Selbstbezeichnung. Viele Menschen bezeichnen sich bewusst einfach als „queer“ – etwa, weil sie sich mit festen Labels wie schwul, lesbisch, bi oder trans nicht (vollständig) beschrieben fühlen, sich nicht festlegen möchten oder die Offenheit des Begriffs schätzen.
Queer als Haltung
Über „nicht heterosexuell oder nicht cisgeschlechtlich“ hinaus hat „queer“ auch eine politische, anti-normative Bedeutung. In diesem Sinne – stark geprägt von der Queer Theory – steht „queer“ dafür, feste Kategorien und gesellschaftliche Normen rund um Geschlecht und Begehren grundsätzlich zu hinterfragen.
„Keine Schublade“ meint dann nicht nur die eigene Verortung, sondern eine Kritik am Schubladendenken selbst.

