Lexikon – Stigma
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Stigma
Stigma bedeutet, dass einzelne Merkmale eines Menschen dazu genutzt werden, automatisch weitere (oft negativ empfundene) Eigenschaften als Vorurteil anzunehmen.
„Stigma“ ist ein griechisches Wort für Stich, Punkt oder Mal im Sinne eines Erkennungsmerkmals. Ein „Stigma“ wurde z. B. kriminalisierten oder versklavten Menschen tätowiert oder eingebrannt. Heute bezieht sich der Begriff auf wahrgenommene Unterschiede zwischen einer Person und der Mehrheit der Gesellschaft. Ein spezifischer Aspekt wird herausgegriffen und führt zu einer verallgemeinernden Annahme über die ganze Person. Stigma ist also immer auch eine Form der Reduktion.
Häufig beziehen sich Stigmata auf Geschlecht, sexuelle Orientierung, Hautfarbe, Herkunft, soziale Lage, Serostatus, Behinderung oder Krankheit.
Wie Stigmatisierung funktioniert
Stigmatisierung lässt sich als Abfolge mehrerer Schritte verstehen:
- Etikettieren: Ein Unterschied wird benannt und hervorgehoben.
- Stereotypisieren: Mit diesem Etikett werden pauschale (meist negative) Eigenschaften verbunden.
- Trennen: Es entsteht ein „wir“ gegen „die anderen“.
- Statusverlust und Diskriminierung: Die stigmatisierte Gruppe wird abgewertet und benachteiligt.
Entscheidend ist dabei, dass dies in einer Situation von Macht geschieht – nur so können Stereotype gesellschaftlich wirksam werden.
Verschiedene Formen von Stigma
Stigma kann von außen wie von innen wirken:
- Öffentliches Stigma (Fremdstigma): die Vorurteile und Abwertungen durch die Gesellschaft.
- Selbststigma: wenn Betroffene die negativen Zuschreibungen verinnerlichen und gegen sich selbst richten (siehe Internalisierung).
- Strukturelles Stigma: wenn Benachteiligung in Gesetzen, Institutionen oder Abläufen verankert ist.
- Stigma durch Nähe: wenn auch Angehörige oder nahestehende Personen mitstigmatisiert werden.
Folgen und Selbstverstärkung
Die Stigmatisierung bestimmter Personengruppen führt zu Statusverlust und Diskriminierung. Es bilden sich stereotype Vorstellungen darüber, „wie diese Personen sind“. Das kann das Verhalten der Betroffenen beeinflussen: Aus Angst vor Ablehnung passen manche ihre Emotionen, Verhaltensweisen und Überzeugungen an die Erwartungen der Gesellschaft an – wodurch die Vorurteile scheinbar bestätigt und so weiter verstärkt werden.
Mitglieder stigmatisierter Gruppen sehen sich dadurch dauerhaften Belastungen ausgesetzt, die zu niedrigem Selbstwertgefühl und psychischem Leiden beitragen können – ein zentraler Bestandteil des sogenannten Minderheitenstresses. Wichtig ist: Ursache ist die Stigmatisierung, nicht das Merkmal selbst.
Was gegen Stigma hilft
Stigmata sind erlernt und gesellschaftlich gemacht – also auch veränderbar. Wirksam sind vor allem Aufklärung, Sichtbarkeit und persönliche Begegnung: Wer Menschen aus einer stigmatisierten Gruppe kennt, baut Vorurteile nachweislich leichter ab. Auch eine selbstbestimmte, respektvolle Sprache trägt dazu bei.
Ein im LSBTIQA*-Kontext leider noch immer verbreitetes Stigma betrifft HIV. Dabei ist dieses Stigma medizinisch längst überholt: Unter wirksamer Therapie ist HIV nicht mehr übertragbar („n=n“ – nicht nachweisbar = nicht übertragbar). Gerade hier zeigt sich, wie wichtig Aufklärung gegen Stigmatisierung ist.

