Lexikon – Trans*
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Trans*
Die Begriffe „transsexuell“, „transgeschlechtlich“, „transgender“, „transident“ oder „trans*“ wurden und werden von verschiedenen Gruppen unterschiedlich benutzt. Grundsätzlich bezeichnen sie alle Menschen, deren Geschlechtsidentität nicht oder nicht ausreichend mit dem Geschlecht übereinstimmt, das ihnen nach der Geburt (anhand der Genitalien) zugewiesen wurde. Die Kurzform „trans*“ bzw. „trans“ (von lateinisch „(hin)über“) setzt sich als wertungsfreier Oberbegriff durch. Auch viele nicht-binäre Personen bezeichnen sich als trans*.
Unter diesen Oberbegriff fallen zum Beispiel trans Frauen, trans Männer und nicht-binäre Menschen.
trans* ist ein Adjektiv, kein Substantiv
Achtung: trans* ist ein Adjektiv und wird grundsätzlich kleingeschrieben. Sprich und schreibe daher über „trans* Menschen“ oder „trans* Personen“! Es besteht ein großer Unterschied zwischen einem braunen Bären und einem Braunbären: Das Erste beschreibt ein Merkmal, das Zweite eine eigene Art. Genauso haben trans* Menschen lediglich die Eigenschaft, trans* zu sein – sie sind keine eigene „Art“ von Mensch. Ein trans Mann ist also schlicht ein Mann, der trans ist. (Substantive wie Trans*-Flagge oder Trans*-Community lassen sich natürlich bilden.)
Geschlechtsidentität und Körper
Die meisten Menschen haben ein inneres Wissen darüber, wer sie sind – und oft auch davon, wie ihr Körper „sich richtig anfühlt“. Bei trans* Menschen stimmt das bei der Geburt zugewiesene Geschlecht nicht mit diesem inneren Wissen überein.
So kommt es vor, dass Menschen mit einem Penis geboren werden und trotzdem weiblich sind, dass männliche Personen mit einer Vulva zur Welt kommen oder dass eine nicht-binäre Person Körpermerkmale hat, die nicht zu ihrer Geschlechtsidentität passen. Ein Widerspruch zwischen Körpermerkmalen und Geschlecht kann zu hohem Leidensdruck führen (Körperdysphorie). Eine Körperdysphorie ist aber keine Voraussetzung, um trans* zu sein.
Trans* und sexuelle Orientierung
Trans-Sein betrifft die Geschlechtsidentität – nicht, zu wem sich eine Person hingezogen fühlt. Beides ist voneinander unabhängig: trans* Menschen können hetero-, homo-, bi-, pan-, asexuell oder anders orientiert sein.
Transition
Für viele (aber nicht alle) trans* Menschen steht die Auflösung des Widerspruchs durch eine Transition im Vordergrund. Diese kann verschiedene Ebenen umfassen:
- sozial: anderen mitteilen, trans* zu sein, und z. B. Namen, Pronomen, Kleidung oder Frisur ändern,
- medizinisch: etwa durch Hormontherapie oder körperangleichende Operationen,
- juristisch: die Änderung von Geschlechtseintrag und Vornamen.
Ob eine trans* Person alle, einige oder auch keine dieser Schritte anstrebt, ist ausschließlich ihre eigene Entscheidung.
Respekt: Name und Pronomen
Ein wichtiger Teil von Respekt ist, den Namen und die Pronomen zu verwenden, die eine Person für sich nutzt. Den früheren Namen gegen den Willen der Person zu verwenden (Deadnaming) oder sie dem falschen Geschlecht zuzuordnen (Misgendern) kann verletzen. Im Zweifel hilft: einfach respektvoll nachfragen.
Trans* ist keine Krankheit
Trans* zu sein ist keine psychische Störung. Das spiegelt auch die aktuelle medizinische Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation (ICD-11) wider, die „Transsexualismus“ durch die entpathologisierte „Geschlechtsinkongruenz“ ersetzt hat. Wo trans* Menschen psychisch leiden, hat das sehr oft weniger mit dem Trans-Sein selbst zu tun als mit Diskriminierung, Ablehnung und fehlender Anerkennung (Minderheitenstress).
Rechtslage: das Selbstbestimmungsgesetz
Trans* Menschen gab es zu allen Zeiten – es handelt sich also keineswegs um ein neues Phänomen. Lange mussten sie für die Änderung ihres Personenstands eine aufwendige Prozedur mit psychiatrischen Gutachten über das „Transsexuellengesetz“ (TSG) durchlaufen.
Seit dem 1. November 2024 gilt das Selbstbestimmungsgesetz (SBGG), das das TSG abgelöst hat. Seither können trans*, intergeschlechtliche und nicht-binäre Personen ihren Geschlechtseintrag und ihre Vornamen per Erklärung beim Standesamt ändern – ohne Gutachten und ohne Gerichtsverfahren. Die Änderung muss drei Monate im Voraus angemeldet werden (siehe auch Die Dritte Option).
Flagge und Aktionstage
Als Symbol dient die Trans*-Flagge, die 1999 von Monica Helms gestaltet wurde: zwei hellblaue, zwei rosa und ein weißer Streifen. Durch ihre symmetrische Anordnung ist sie immer „richtig herum“.
Zwei wichtige Aktionstage sind der Trans Day of Visibility (TDOV) am 31. März, der die Sichtbarkeit und die Erfolge von trans* Menschen feiert, und der Trans Day of Remembrance (TDOR) am 20. November, an dem der Opfer transfeindlicher Gewalt gedacht wird. Beides erinnert daran, dass trans* Menschen zwar sichtbarer werden und Rechte gewinnen, zugleich aber weiterhin stark von Diskriminierung betroffen sind.

