Lexikon – Aromantik
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Aromantik
Als aromantisch (aro) bezeichnen sich Menschen, die keine oder nur wenig romantische Anziehung gegenüber anderen Personen verspüren. Romantische Liebe hat für sie keinen besonderen Stellenwert.
Aromantisch heißt nicht asexuell
Aromantisch (auch nonromantisch) heißt nicht zwangsläufig, auch asexuell zu sein. Romantische und sexuelle Anziehung werden getrennt betrachtet: Wie eine Person romantisch empfindet, sagt nichts darüber aus, wie sie sexuell empfindet. Daraus ergeben sich gebräuchliche Begriffe wie aroallo (aromantisch und allosexuell) oder aroace (aromantisch und asexuell). Eine aromantische Person kann also zum Beispiel sexuelle Anziehung empfinden, ohne sich romantisch zu verlieben.
Viele Formen von Nähe und Liebe
Ein häufiges Missverständnis ist, aromantische Menschen könnten oder wollten sich nicht binden. Das Gegenteil ist der Fall: Romantik ist nur eine von vielen Formen der Verbundenheit. Neben romantischer Anziehung gibt es zum Beispiel:
- platonische Anziehung – der Wunsch nach enger Freundschaft (ein starkes „Verknalltsein“ in eine Freundschaft wird auch Squish genannt),
- ästhetische Anziehung – jemanden schön finden, ohne romantisches oder sexuelles Interesse,
- sensuelle Anziehung – der Wunsch nach körperlicher Nähe wie Umarmungen, ohne romantische Bedeutung.
Besonders wichtig sind für viele aromantische Menschen queerplatonische Beziehungen (QPR): tiefe, verbindliche Partnerschaften, die sich bewusst nicht in die üblichen Kategorien „Freundschaft“ oder „romantische Beziehung“ einordnen lassen. Aromantische Menschen leben Partnerschaften, gründen Wahlfamilien und pflegen enge Bindungen – nur eben nicht zwingend romantisch im herkömmlichen Sinn.
Amatonormativität
Häufig stoßen aromantische Menschen auf Unverständnis und werden gefragt, ob ihnen denn romantische Beziehungen mit anderen Menschen nicht fehlen würden. Nein, denn wo kein romantisches Verlangen vorhanden ist, entsteht auch kein Gefühl des Mangels.
Dieses Unverständnis hat einen Namen: Amatonormativität bezeichnet die gesellschaftliche Annahme, dass eine exklusive, romantische Paarbeziehung ein universelles und erstrebenswertes Lebensziel sei (der Begriff wurde von der Philosophin Elizabeth Brake geprägt). Filme, Werbung, Feiertage und viele soziale Erwartungen sind an dieser Norm ausgerichtet – weshalb nicht-romantische Lebensentwürfe oft übersehen oder abgewertet werden. Der Begriff „aromantisch“ hilft, diese Norm überhaupt sichtbar und hinterfragbar zu machen.
Sichtbarkeit und Community
Für Vernetzung und Aufklärung spielt AUREA (Aromantic-spectrum Union for Recognition, Education, and Advocacy) eine zentrale Rolle. Einmal jährlich – in der Woche nach dem Valentinstag im Februar – findet zudem die Aromantic Spectrum Awareness Week statt. Als Symbol dient die Aro-Flagge mit fünf waagerechten Streifen (entworfen 2014 von Cameron Whimsy): Dunkelgrün steht für Aromantik, Hellgrün für das aromantische Spektrum, Weiß für platonische und ästhetische Anziehung sowie nicht-romantische Beziehungen, Grau und Schwarz für das gesamte Spektrum der Sexualitäten, das aromantische Menschen haben können.

