Lexikon – Bisexualität
Projekt 100% MENSCH

Bisexualität
Bisexuelle Menschen können sich sexuell sowohl zu Frauen als auch zu Männern sowie zu nicht-binären Personen hingezogen fühlen. Eine oft zitierte Beschreibung fasst es so: die Fähigkeit, sich zu mehr als einem Geschlecht hingezogen zu fühlen – nicht unbedingt gleichzeitig, nicht unbedingt auf dieselbe Weise und nicht unbedingt gleich stark.
Bisexualität ist eine feste Orientierung und unabhängig von der*dem aktuellen Partner*in. Also bleibt eine bisexuelle Frau auch dann bisexuell, wenn sie sich gerade in einer Beziehung mit einem Mann befindet.
Bi+
Das Plus in Bi+ soll nochmals verdeutlichen, dass Bisexualität – entgegen der landläufigen Meinung, sie beziehe sich ausschließlich auf Männer und Frauen – alle Menschen einschließt, die zwei oder mehr Geschlechter anziehend finden. Bi+ dient dabei auch als Sammelbegriff für verwandte Identitäten wie pansexuell, polysexuell oder omnisexuell.
Bisexuell und pansexuell
Bisexualität ist nicht dasselbe wie Pansexualität. Eine verbreitete Art, den Unterschied zu beschreiben, lautet: Für bisexuelle Menschen kann das Geschlecht für die Anziehung eine Rolle spielen, während es für pansexuelle Menschen eine untergeordnete oder keine Rolle spielt.
Wichtig ist aber: Die beiden Labels überlappen sich stark, und welche Bezeichnung eine Person für sich wählt, ist eine persönliche Entscheidung – keine feste Regel. Viele Menschen verwenden „bi“ und „pan“ für sich sogar abwechselnd. Die Begriffe stehen also nicht im Widerspruch zueinander.
Bi-Erasure und Vorurteile
Bisexuelle Menschen erleben eine besondere Form der Unsichtbarkeit, die Bi-Erasure (Bisexuellen-Auslöschung) genannt wird: Ihre Orientierung wird oft anhand der*des aktuellen Partner*in „umgedeutet“ – als vermeintlich hetero oder schwul/lesbisch. Dazu kommen hartnäckige Vorurteile, etwa Bisexualität sei „nur eine Phase“, „Unentschlossenheit“ oder ein Wunsch nach Aufmerksamkeit. All das trifft nicht zu: Bisexualität ist eine eigenständige, gültige Orientierung.
Erschwerend kommt hinzu, dass bi Menschen diese Ablehnung sowohl von außerhalb als auch innerhalb queerer Räume erfahren können – man spricht deshalb von einer doppelten Ausgrenzung. Eine systematische Übersichtsarbeit von McCole und Anderson (2025, Journal of Bisexuality), die 100 Studien mit insgesamt rund 7.170 bi+ Teilnehmenden auswertete, bestätigt dieses Bild: Bi-Erasure wird darin als eine Form von Minderheitenstress beschrieben, die Bisexualität als gültige Orientierung infrage stellt. Die Auslöschung geht der Übersicht zufolge von ganz unterschiedlichen Seiten aus – von heterosexuellen ebenso wie von schwulen und lesbischen Communities sowie von Partner*innen, Familien und aus dem Gesundheitswesen. Feindseligere Formen der Auslöschung trafen dabei besonders bi Frauen.
Flagge, Sichtbarkeit und Bi-Tag
Als Symbol dient die Bi-Flagge, die 1998 von Michael Page gestaltet wurde: Ein pink-magentafarbener Streifen steht für die Anziehung zum gleichen Geschlecht, ein blauer für die Anziehung zu einem anderen Geschlecht und der überlappende violette Streifen für die Anziehung über Geschlechtergrenzen hinweg.
Am Bi-Sichtbarkeitstag (englisch Bi Visibility Day), der seit 1999 jährlich am 23. September begangen wird, wird die bisexuelle Community gefeiert und auf Bi-Erasure sowie die besonderen Herausforderungen bi Menschen aufmerksam gemacht.

