Lexikon – Butch und Femme
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Butch und Femme
Butch und Femme sind (Selbst-)Bezeichnungen für eine eher maskuline (butch) bzw. eher feminine (femme) Geschlechtspräsentation und/oder -identität. Sie stammen aus der lesbischen Subkultur, werden heute aber auch von queeren, nicht-binären und weiteren Personen genutzt – und sind ausdrücklich nicht auf lesbische oder weibliche Menschen beschränkt.
Butch
Der Begriff „Butch“ (engl.) bedeutet „maskulin“. Butch wird häufig als (Selbst-)Bezeichnung von meist lesbischen Personen mit einer eher maskulinen Geschlechtspräsentation und/oder einem eher maskulinen Geschlechtsbewusstsein verwendet. Butches können auch nicht-binär sein, und nicht alle Personen, die sich als Butch bezeichnen, sind lesbisch bzw. weiblich.
Wichtig ist: Ziel ist heute meist nicht, als Mann gelesen zu werden. Butch beschreibt vielmehr Menschen, die eine alternative, nicht-stereotype und nicht-heteronormative Art von Weiblichkeit bzw. Geschlechtlichkeit ausdrücken (Rost 2018).
Femme
„Femme“ bedeutet auf Französisch „Frau“ und wird als (Selbst-)Bezeichnung von meist lesbischen oder queeren Personen verwendet, die ihre Geschlechtsidentität eher feminin ausdrücken. Historisch galt Femme als Gegenpart zur Butch.
Anders als eine ältere Lesart nahelegt, geht es dabei nicht darum, „die Rolle Frau“ zu erfüllen: Femmes setzen der abwertenden (misogynen) Bewertung von Weiblichkeit eine selbstbestimmte, queere Femininität entgegen. Femme bedeutet in diesem Sinne eine Wiederaneignung von Weiblichkeit und ein bewusstes Spiel mit Geschlechterrollen und Erwartungen (Tepest 2019). Femme ist heute keine exklusive Bezeichnung für lesbische Frauen mehr, sondern kann unabhängig von Geschlechtsidentität oder Sexualität als Selbstbezeichnung gewählt werden – zeitweise wurde der Begriff auch für feminin auftretende schwule Männer verwendet. Eine besonders betont feminine Präsentation wird seit den 1990ern auch „High Femme“ genannt.
Herkunft und Geschichte
Butch und Femme entstanden in den 1940er Jahren in der US-amerikanischen Subkultur, als lesbische Bars zu wichtigen Schutzräumen wurden. Dabei spielte auch die soziale Klasse eine Rolle: Butches fanden vor allem in Bars der Arbeiter*innenklasse einen Ort, um ihre Geschlechtspräsentation zu leben, während femme-präsentierende Personen aus der Mittel- und Oberschicht diese Orte eher mieden. Butches wurden außerhalb solcher geschützten Räume häufig für Männer gehalten.
Bis Mitte des 20. Jahrhunderts waren Butch-Femme-Paare in der lesbischen Subkultur sehr verbreitet – teils mit starren Regeln: Wer sich nicht klar der einen oder anderen Kategorie zuordnete, galt als „verwirrt“, und Butch-Butch- oder Femme-Femme-Beziehungen galten als tabu. Im Zuge des Second-Wave-Feminismus der späten 1960er und 1970er geriet das Modell in die Kritik: Lesbische Aktivist*innen wandten sich gegen die Erwartung, lesbische Paare müssten heterosexuelle Beziehungen mit „männlichem“ und „weiblichem“ Part nachbilden. Femmes wurde dabei vorgeworfen, patriarchale Muster zu übernehmen; sie entgegneten, dass ihr bewusst feminines Auftreten gerade ein Widerstand gegen Erwartungen an lesbische Frauen sei.
In den 1980er und 1990er Jahren wurden Butch und Femme im Kontext des Third-Wave-Feminismus neu bewertet – weniger als binäre Fremdzuordnung, mehr als Selbstbezeichnung und Ausdruck der eigenen Identität (Levitt et al. 2003). Judith Butlers Gender Trouble (1990) trug theoretisch dazu bei, Maskulinität nicht länger exklusiv dem Mann zuzuschreiben und Geschlecht als performativ zu verstehen. Heute werden die Begriffe seltener verwendet als im 20. Jahrhundert, erleben aber – besonders als Akt der Wiederaneignung durch Lesben – wieder wachsenden Zuspruch.
Vielfalt der Begriffe
Rund um Butch und Femme haben sich zahlreiche, teils historische Bezeichnungen gebildet:
- Stone Butch: eine besonders maskuline Butch-Identität; der Begriff wurde in der Arbeiter*innenklasse der 1940er/50er geprägt und durch Leslie Feinbergs Roman Stone Butch Blues (1993) bekannt.
- Soft Butch: eine maskuline Präsentation, die ein gewisses Maß an Femininität einschließt.
- Stud: eine Bezeichnung speziell für Schwarze Butch-Lesben.
- High Femme / „Lipstick Lesbian“: eine betont feminine Präsentation.
Sichtbarkeit, Diskriminierung und Femme-Invisibility
Butches und Femmes sind auf unterschiedliche Weise von Diskriminierung betroffen. Butches erfahren wegen ihrer sichtbaren Nichtübereinstimmung mit Geschlechternormen häufig Homo- und Queerfeindlichkeit – nicht nur außerhalb, sondern auch innerhalb der LSBTTIAQ+-Gemeinschaft. Historisch schloss die (mehrheitlich weiße) feministische Bewegung der 1970er und frühen 1980er bestimmte Formen des „Andersseins“ aus, darunter Schwarze Lesben und Lesben mit nicht-normativ femininer Geschlechtspräsentation.
Femmes erleben demgegenüber die sogenannte Femme-Invisibility: Weil ihre sexuelle Identität nach außen weniger „ablesbar“ ist, werden sie oft nicht als queer erkannt, beim Coming-out nicht ernst genommen oder innerhalb der Community zurückgewiesen – und sehen sich mitunter gedrängt, ihre Identität „beweisen“ zu müssen. Zugleich sind sie häufiger unerwünschter Aufmerksamkeit durch Männer ausgesetzt.
Quellen
- Levitt, Heidi M.; Gerrish, Elisabeth A.; Hiestand, Katherine R. (2003): The Misunderstood Gender: A Model of Modern Femme Identity. In: Sex Roles 48(3), S. 99–113.
- Rost, Katharina (2018): Butch.
- Tepest, Eva (2019): Sichtbarkeit von queeren Femmes. Die subversive Kraft des Lippenstiftes. In: Der Tagesspiegel.
- Theophano, Teresa (2004): Butch-Femme.

