Lexikon – Ästhetische, romantische und sexuelle Orientierung
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Ästhetische, romantische und sexuelle Orientierung
Anziehung entsteht nicht nur auf einer einzigen Ebene. Menschen können sich auf ganz unterschiedliche Weise zu anderen hingezogen fühlen – und diese Ebenen können in verschiedene Richtungen zeigen. Dieses Verständnis wird Split-Attraction-Modell genannt (sinngemäß: „Modell der aufgeteilten Anziehung“).
Sexuelle Orientierung
Die sexuelle Orientierung beschreibt, von welchem Geschlecht oder welchen Geschlechtern sich eine Person sexuell angezogen fühlt. Beispiele hierfür sind homosexuell, heterosexuell, bi(+)sexuell, pansexuell oder asexuell.
Romantische Orientierung
Die romantische Orientierung sagt aus, in welches Geschlecht oder welche Geschlechter sich eine Person verliebt oder mit wem sie eine romantische Beziehung eingehen möchte. Beispiele hierfür sind heteroromantisch, homoromantisch, panromantisch oder aromantisch.
Ästhetische Anziehung
Die ästhetische Anziehung beschreibt, dass man eine Person schön oder ansprechend findet – ähnlich, wie man ein Kunstwerk oder eine Landschaft schön findet –, ohne dass damit romantisches oder sexuelles Begehren verbunden sein muss. Man kann eine Person also ästhetisch anziehend finden, ohne mit ihr etwas Romantisches oder Sexuelles erleben zu wollen.
Davon zu unterscheiden sind gesellschaftliche Schönheitsnormen: Welche Merkmale als „schön“ gelten, ist kulturell geprägt und kann diskriminierend wirken (etwa rassistisch oder ableistisch). Das ist aber eine andere Ebene als die persönliche ästhetische Anziehung.
Weitere Formen der Anziehung
Neben diesen drei gibt es weitere Formen, zum Beispiel:
- sensuelle Anziehung – der Wunsch nach körperlicher Nähe wie Umarmen oder Kuscheln, ohne sexuelle Bedeutung,
- platonische Anziehung – der Wunsch nach enger Freundschaft (ein starkes „Verknalltsein“ in eine Freundschaft wird auch Squish genannt),
- emotionale Anziehung – der Wunsch nach einer tiefen gefühlsmäßigen Verbindung.
Warum die Unterscheidung wichtig ist
Die romantische und die sexuelle Orientierung einer Person müssen nicht übereinstimmen. Ein Mensch kann zum Beispiel heteroromantisch und zugleich asexuell sein – oder aromantisch und allosexuell. Genau dafür gibt es eigene Begriffe: Die Vorsilben hetero-, homo-, bi-, pan- oder a- lassen sich sowohl mit „-sexuell“ als auch mit „-romantisch“ verbinden. Daraus ergeben sich auch zusammengesetzte Bezeichnungen wie aroace (aromantisch und asexuell) oder aroallo (aromantisch und allosexuell).
Das Modell macht sichtbar, dass sich Menschen nicht mit einem einzigen Etikett für alle Formen von Anziehung beschreiben lassen müssen.

