Lexikon – Dyke
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Dyke
Dyke kommt aus dem Englischen und steht für „Lesbe“. Lange Zeit galt Dyke als lesbenfeindliches Schimpfwort, das sich vor allem gegen maskuline Lesben richtete. Indem sich lesbische Menschen selbst als Dykes bezeichneten, verlor es über die Jahre mehr und mehr seine negative Bedeutung (= Reclaiming). Viele sehen Dyke heute als neutrales Wort für Lesbe oder als positive Selbstbezeichnung, die Selbstbehauptung und Widerstandsfähigkeit ausdrückt. Manche verwenden Dyke auch ausschließlich für eher maskuline Lesben, ähnlich wie Butch.
Reclaiming: von der Beleidigung zur Selbstbezeichnung
Die Wiederaneignung des Begriffs begann vor allem in der Arbeiter*innen- und Bar-Kultur lesbischer Frauen und verstärkte sich im lesbisch-feministischen Aktivismus der 1970er- und 1980er-Jahre. Ein früher literarischer Bezugspunkt ist etwa das Gedicht „Edward the Dyke“ der Dichterin Judy Grahn (1971). Viele Lesben trugen die einst abwertende Bezeichnung fortan bewusst mit Stolz.
Wichtig ist dabei der Kontext: Reclaiming bedeutet nicht, dass das Wort für alle offensteht. Innerhalb der Community ist „Dyke“ eine stolze Selbstbezeichnung – aus dem Mund feindseliger Außenstehender bleibt es jedoch eine Beleidigung. Ob und von wem der Begriff verwendet wird, macht also einen großen Unterschied. Und nicht alle lesbischen Menschen mögen den Begriff für sich: Manche empfinden ihn weiterhin als negativ konnotiert und lehnen ihn als Selbstbezeichnung ab.
Dyke Marches
Sichtbar wird die Wiederaneignung besonders bei den Dyke Marches – lesbischen Demonstrationszügen, die (ähnlich wie CSDs) für Sichtbarkeit und Rechte eintreten. Der erste so benannte Dyke March fand 1993 in Washington statt, organisiert von der Gruppe Lesbian Avengers, mit über 20.000 Teilnehmenden. Heute gibt es Dyke*-Märsche in vielen Städten weltweit und auch im deutschsprachigen Raum (etwa in Berlin). Das Sternchen in „Dyke*“ verdeutlicht dabei, dass ausdrücklich auch trans, inter und nicht-binäre Menschen eingeschlossen sind. Ein weiteres bekanntes Beispiel für den selbstbewussten Gebrauch des Begriffs sind die Dykes on Bikes, die viele Pride-Paraden mit ihren Motorrädern anführen.

