Lexikon – Misgendern
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Misgendern
Wenn wir Menschen im Alltag – absichtlich oder unabsichtlich – einem falschen Geschlecht zuordnen, nennt man das Misgendern. Konkret kann das zum Beispiel bedeuten:
- die Verwendung falscher Pronomen (z. B. „er“ statt „sie“ oder „they“),
- eine falsche Anrede („Herr“/„Frau“, „meine Damen und Herren“),
- geschlechtsspezifische Wörter, die nicht passen (etwa „Freund“ statt „Freundin“),
- oder die Verwendung des früheren Namens einer Person (siehe Deadnaming).
Betroffen sind vor allem trans und nicht-binäre Menschen.
Absichtlich oder unabsichtlich
Bewusste, konsequente Geschlechts-Falschzuweisungen – etwa die absichtliche Verwendung des falschen Pronomens – sind aggressive Handlungen und eine Form von Transfeindlichkeit. Daneben gibt es unabsichtliches Misgendern, etwa einen Versprecher aus alter Gewohnheit. Beides ist nicht dasselbe – aber auch ein unbeabsichtigter Fehler kann verletzen. Entscheidend ist deshalb weniger die Absicht als der Umgang damit.
Warum es verletzt
Misgendern stellt die Geschlechtsidentität eines Menschen infrage und signalisiert, nicht gesehen oder nicht anerkannt zu werden. Gerade wenn es dauerhaft geschieht, kann es erheblich belasten, Geschlechtsdysphorie verstärken und zum sogenannten Minderheitenstress beitragen. Es handelt sich dabei nicht um „Überempfindlichkeit“, sondern um eine nachvollziehbare Reaktion auf wiederholte Nicht-Anerkennung.
Was tun, wenn es passiert?
Wer eine Person aus Versehen misgendert, muss das nicht zu einer großen Sache machen. Bewährt hat sich: kurz korrigieren, sich knapp entschuldigen und weitermachen – zum Beispiel: „… sie, entschuldige, er hat gesagt …“. Wichtig ist, die Situation nicht in ausführliche Schuldgefühle oder Rechtfertigungen zu verwandeln, denn das rückt die eigene Betroffenheit in den Mittelpunkt und belastet die misgenderte Person zusätzlich. Mit etwas Übung gelingen die richtigen Formulierungen immer selbstverständlicher.
Wie man Misgendern vermeidet
Vorbeugen lässt sich Misgendern, indem man das Geschlecht einer Person nicht einfach aufgrund ihres Aussehens oder ihrer Stimme annimmt. Hilfreich ist, nach den Pronomen zu fragen und die eigenen selbst zu nennen (z. B. bei einer Vorstellungsrunde), den Namen und die Pronomen zu verwenden, die eine Person für sich nutzt, und im Zweifel neutral zu formulieren.

