Lexikon – Sexismus
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Sexismus
Sexismus bezeichnet die Abwertung von Menschen aufgrund ihres Geschlechts. Er ist tief in unserer Gesellschaft verankert und basiert auf Annahmen und Vorurteilen darüber, wie Menschen ihr Geschlecht „auszuleben“ haben. Diese Abwertung ist eng mit patriarchalen Machtstrukturen verknüpft. „Patriarchat“ (Väterherrschaft) beschreibt ein historisch bedingtes Machtungleichgewicht, das Männer über alle anderen Geschlechter stellt.
Wichtig ist: Sexismus ist nicht nur ein individuelles Vorurteil, sondern ein Machtsystem. Er wirkt auf mehreren Ebenen – auf der individuellen (etwa durch Sprüche, Witze oder Catcalling), der institutionellen (etwa durch ungleiche Bezahlung oder fehlende Repräsentation) und der strukturellen und kulturellen Ebene.
Wen Sexismus betrifft
Sexismus betrifft uns alle: Wir alle leiden unter festgeschriebenen Geschlechterrollen und ungleich verteilter Macht. Männern werden „weibliche“ Eigenschaften als „Schwäche“ unterstellt. Frauen wird ihre „Weiblichkeit“ abgesprochen, wenn sie „männliche“ Eigenschaften besitzen. Und von nicht-binären Menschen wird eine „Eindeutigkeit“ verlangt, die ihrem Selbst komplett widerspricht.
Zugleich ist die Last ungleich verteilt: Die systematische Benachteiligung trifft vor allem Frauen sowie trans, inter und nicht-binäre Menschen, während cis Männer von diesem System in der Regel profitieren (siehe Privileg). „Betrifft alle“ heißt also nicht „betrifft alle gleich“.
Wie sich Sexismus zeigt
Sexismus äußert sich in vielen, teils alltäglichen Formen, zum Beispiel:
- Alltagssexismus: abwertende Sprüche, sexistische Witze, ungefragtes Belehren („Mansplaining“), Catcalling,
- Objektifizierung: Menschen (meist Frauen) auf ihr Äußeres oder ihren „Nutzen“ reduzieren,
- strukturelle Benachteiligung wie der Gender Pay Gap oder die ungleiche Verteilung unbezahlter Care-Arbeit,
- Unterrepräsentation in Führungspositionen, Politik und Medien,
- sexualisierte Gewalt sowie die Tendenz, Betroffenen eine Mitschuld zu geben (Victim Blaming).
Sexismus und Queerness
Sexismus ist eng mit der Zweigeschlechtlichkeit und mit Homo- und Transfeindlichkeit verknüpft: Wer die erwarteten Geschlechterrollen „überschreitet“, wird abgewertet. Queere Menschen erfahren Sexismus deshalb doppelt – als Angehörige marginalisierter Geschlechter und dafür, dass ihre Existenz starre Normen infrage stellt. Eine besondere Form ist die Transmisogynie: die Überschneidung von Sexismus und Transfeindlichkeit, die trans Frauen und transfeminine Menschen besonders trifft.
Verwandte Aspekte
Sexismus wirkt selten allein: Er überschneidet sich mit anderen Diskriminierungsformen wie Rassismus oder Klassismus – eine Schwarze Frau erlebt Sexismus anders als eine weiße Frau (siehe Intersektionalität). Und wie andere Abwertungen kann Sexismus auch verinnerlicht werden, sodass Menschen sexistische Vorstellungen gegen sich selbst oder andere richten (siehe Internalisierung).
Folgen: toxische Männlichkeit
Die Folgen von Sexismus für Männer zeigen sich deutlich in der sogenannten toxischen Männlichkeit – einer ungesunden, stereotypen Erwartungshaltung an das Verhalten von Männern, die etwa das Zeigen von Gefühlen oder das Bitten um Hilfe als „unmännlich“ abwertet.

