LEXIKON

LSBTTIIQQPPA? Keine Ahnung, was das heißt! Gatekeeper? Nie gehört!

Es gibt so viele Begriffe und da Sprache unsere Welt formt, ist es wichtig zu wissen, was welche Begriffe bedeuten. In unserem Lexikon kannst Du Begriffe bekannte nachschlagen und neue entdecken. Wir ergänzen diese Sammlung ständig. Wenn Dir also ein Wort fehlt, dann sag uns einfach Bescheid!

Unsere Erklärungen zu Geschlecht und sexueller Orientierung können immer nur Annäherungen darstellen. Die Selbstaussage eines Menschen über sein Geschlecht und seine sexuelle/romantische Orientierung sind das einzig entscheidende.

Viel Spaß beim Stöbern!

(C)AFAB / (C)AMAB / DFAB / DMAB

AFAB / AFAM steht für „Assigned Female At Birth“ / “Assigned Male At Birth“, was übersetzt „nach der Geburt weiblich zugewiesen“ / “nach der Geburt männlich zugewiesen“ bedeutet. Diese Zuweisung basiert allein auf Betrachtung der äußeren Genitalien und wird in der Geburtsurkunde festgehalten. Die betroffene Person kann nicht selbst Auskunft über ihr Geschlecht geben, sondern das Geschlecht wird ihr von den Ärzt*innen zugewiesen.

Synonym zu AFAB / AMAB können DFAB / DMAB verwendet werden. DFAB / DMAB steht für „Designated Female At Birth“ / “Designated Male At Birth“ und bedeutet so viel wie „bei der Geburt als weiblich / männlich bestimmt“. Die Abkürzungen werden oft von trans* Menschen verwendet, um darauf aufmerksam zu machen, dass ihnen bei der Geburt ein falsches Geschlecht zugewiesen wurde.

CAFAB / CAMAB steht für „Coercively Assigned Female At Birth“ / “Coercively Assigned Male At Birth“. Der Zusatz „coercively“ beschreibt die zwangsweise Zuweisung zu einem Geschlecht nach der Geburt. Dieser Begriff wird häufig von inter* Menschen verwendet und bezieht sich auf die chirurgischen Zwangsnormierung der Genitalien (genitalzwangszuweisende Operationen), wenn sich diese nicht eindeutig in die binären Kategorien „männlich“ oder weiblich“ einordnen lassen. Es gibt auch trans* Personen, die diese Bezeichnung verwenden, um auszudrücken, dass ihnen bei der Geburt gewaltsam ein falsches Geschlecht aufgezwungen wurde.

Asexualität (ACE)

Als asexuell (ace) werden Menschen bezeichnet, die keine sexuelle Anziehung gegenüber anderen Personen verspüren.
Sexuelles Verlangen kann jedoch vorhanden sein (Selbstbefriedigung). Auch körperlicher Kontakt (z.B. Kuscheln, Küsse) ist nicht ausgeschlossen, hat jedoch keine sexuelle Bedeutung.

Asexuelle müssen nicht automatisch aromantisch sein, d.h. sie können sehr wohl in einer romantischen Beziehung leben, allerdings ohne sexuelles Verlangen.

Neben der Schreibweise „asexuell“ wird manchmal auch die Schreibweise „a_sexuell“ genutzt um zu zeigen, dass A_sexualität ein Spektrum mit vielen verschiedenen Abstufungen ist (gray-as / grey-ace).

Kurz: Asexuelle haben kein Verlangen nach Sex mit anderen Menschen.

Allosexualität

Allosexuell beschreibt häufig Personen, die sich sexuell zu anderen Menschen hingezogen fühlen. Somit handelt es sich um das Gegenteil von „asexuell“. Der Begriff ermöglicht es, diskriminierungsfrei über asexuelle und allosexuelle Menschen zu sprechen. Jedoch kann allosexuell auch als eine Fremdzuweisung verstanden werden, denn der Begriff wurde innerhalb der asexuellen Community entwickelt und ist somit keine selbstgewählte Bezeichnung von allosexuellen Menschen. Dennoch ist er wichtig, um wertfrei und begrifflich abgrenzen zu können, ohne asexuell als Abweichung von einer Norm darzustellen.

Ally, Advocate, Activist

Ally heißt auf deutsch Unterstützer*in. Im Allgemeinen wird der Begriff Ally für Menschen benutzt, die Teil einer Mehrheit sind und eine unterdrückte Gruppe unterstützen. Im Kontext der LGBTIQ*-Community sind Allies Menschen, welche die Community unterstützen, obwohl sie selbst nicht queer sind.

Advocate bedeutet auf deutsch Fürsprecher*in. Ein*e Fürsprecher*in ist eine Person, die für eine bestimmte Gruppe spricht und über Themen informiert, die diese Gruppe betreffen. Im Falle der LGBTIQ*-Communtiy handelt es sich bei Fürsprecher*innen sowohl um queere Menschen, als um auch nicht-queere Personen, die sich öffentlich für die Community aussprechen.

Activist heißt auf deutsch Aktivist*in. Dabei handelt es sich um Menschen, die sich politisch engagieren und sich aktiv für die Rechte von diskriminierten Gruppen einsetzen. Im Kontext der LGBTIQ* Community geht es dabei um die Rechte von queeren Menschen. Aktivist*innen arbeiten daran, Veränderungen zu bewirken. Um ein*e Aktivist*in zu sein, bedarf es Handlungen – es reicht nicht aus, sich nur für ein Thema auszusprechen.

andro- / gyno- / femme- / skoliosexuell

Die Begriffe andro-, gyno- / femme- und skoliosexuell beschreiben sexuelle Orientierungen in einem offenen Verständnis von Geschlecht. Dieses Verständnis geht davon aus, dass es mehr als nur die zwei Geschlechter „männlich“ und „weiblich“ gibt.

In einem nicht-binären Geschlechtersystem verlieren Begriffe wie homosexuell oder heterosexuell an Aussagekraft. Denn wenn es nicht nur männlich und weiblich gibt, sagt heterosexuell beispielsweise nicht mehr automatisch aus, zu welchem Geschlecht sich ein Mensch hingezogen fühlt. Andro-, gyno- und skoliosexuell ermöglichen hingegen Aussagen über die sexuelle Orientierung einer Person, ohne das eigene Geschlecht dieser Person zu offenbaren.

Eine androsexuelle Person fühlt sich sexuell zu Menschen hingezogen, die der Sphäre von „männlich“ zugehörig sind. Eine gyno- / femmesexuelle Person fühlt sich sexuell zu Menschen hingezogen, die der Sphäre von „weiblich“ zugehörig sind. Eine skoliosexuelle Person fühlt sich sexuell zu Menschen hingezogen, die nicht-binär sind und weder der Sphäre von „weiblich“ noch von „männlich“ zugehörig sind. Andro-, gyno- und skolioromantisch beschreiben dementsprechend, in Menschen welcher Geschlechter sich eine Person verliebt oder mit welchem Geschlecht sie Sex haben möchte.

Eine Beziehung zwischen zwei Personen, die der „weiblichen“ Sphäre zugehörig sind, kann als gyno- oder femmesexuelle Beziehung bezeichnet werden. Eine Beziehung zwischen zwei Personen, von denen eine der „männlichen“, die andere der „weiblichen“ Sphäre zugehörig ist, kann als androgynosexuelle Beziehung bezeichnet werden.

Aromantik

Als aromantisch (ARO) bezeichnen sich Menschen, die keine oder nur wenig romantische Anziehung gegenüber anderen Personen verspüren. Romantische Liebe hat für sie keinen besonderen Stellenwert. Aromantisch (auch nonromantisch) heißt nicht zwangsläufiug auch asexuell zu sein. Häufig stoßen aromantische Menschen auf Unverständnis und werden gefragt, ob ihnen denn romantische Beziehungen mit anderen Menschen nicht fehlen würde. Nein, denn wo kein Verlangen vorhanden ist, entsteht auch kein Gefühl des Fehlens.

Manchmal sieht man auch die Schreibweise A_romantisch. Diese soll verdeutlichen, dass A_romatik viele Schattierungen aufweist.

Beziehungen

Sexuelle / romantische Orientierungen, die sich auf ein Geschlecht richten, sind monosexuell / monoromantisch. Beispiele hierfür sind heterosexuell oder homoromantisch.

Sexuelle / romantische Orientierungen, die sich auf zwei, mehrere oder alle Geschlechter richten, sind polysexuell / polyromantisch. Beispiele hierfür sind pansexuell oder bi(+)romantisch.

Monoamourös beschreibt einen Menschen, der seine romantische Aufmerksamkeit nur auf eine Person zur selben Zeit richtet.

Offen-monoamourös bezieht sich auf romantische Paarbeziehungen, die in Absprache unter den Partner*innen auch sexuelle Kontakte außerhalb der Partnerschaft enthalten können

Polyamourös bezeichnet eine Person, die ihre romantische Aufmerksamkeit auf mehr als eine Person zur selben Zeit richten kann. Konstellationen, in denen mehrere Personen ausschließlich innerhalb der Beziehungsgruppe sexuelle Kontakte pflegen, können als geschlossen-polyamourös bezeichnet werden.

Romantische Liebesbeziehung zwischen mehreren Menschen, bei der die Partner*innen auch sexuelle Kontakte außerhalb der Beziehungsgruppe haben können, werden auch offen-polyamourös genannt.

Monogamie wird häufig sinngleich mit „monoamourös“ verwendet, bezieht sich jedoch ursprünglich auf die sexuelle und amouröse Treue in der Ehe. Polygamie bedeutet eine Vielehe, bei der mehr als nur zwei Menschen miteinander verheiratet sind. In Deutschland ist Polygamie gesetzlich verboten.

Bi(+)sexualität

Der Begriff der Bisexualität wird gerade stark diskutiert – daher folgen zwei Erklärungen:

1. Binäre Deutung: Bisexuelle Menschen fühlen sich sexuell sowohl zu Frauen als auch zu Männern hingezogen. Bisexualität ist eine feste Orientierung und ist unabhängig von der*dem aktuellen Partner*in. Also bleibt eine bisexuelle Frau auch dann bisexuell, wenn sie sich gerade in einer sexuellen Beziehung mit einem Mann befindet.

2. Bi+sexualität soll verdeutlichen, dass sich auch Menschen als bisexuell bezeichnen, die zwei oder mehr Geschlechter sexuell anziehend finden (polysexuell). Somit würde diese Neubestimmung des Begriffs auch ein deutlicheres Aufbrechen des binären Geschlechterkonstruktes beinhalten. Die Abgrenzung gegenüber Pansexualität besteht weiter – in der Attraktion durch das Geschlecht, während bei pansexuellen Menschen das Geschlecht an sich nur eine untergeordnete Rolle spielt.

Binäre Geschlechter

Unsere westliche Gesellschaft geht überwiegend davon aus, dass Geschlecht ein binäres System ist. Binär steht für „zweiteilig“ und reduziert auf nur zwei Geschlechter: männlich und weiblich. Sämtliche anderen Geschlechter werden als Abweichung von der (binären) Norm betrachtet und unterdrückt.

Dieses strikt zweigeteilte System ist ein religiös geprägtes Konstrukt, das gesellschaftliche Erwartungen an „Männlichkeit“ und „Weiblichkeit“ aufbaut. Aus diesen Erwartungen entstehen klare Geschlechterrollen, deren Nichteinhaltung negative Konsequenzen wie Anfeindungen mit sich bringt.

Langsam entwickelt sich das binäre Verständnis von Geschlecht hin zu einem offenen Geschlechtersystem. Dieses sieht Geschlecht als ein Spektrum mit vielen verschiedenen Geschlechtern und unzählige Abstufungen zwischen „männlich“ und „weiblich“. Ein offenes System wirkt Unterdrückung und Ausgrenzung entgegen, indem es Geschlecht in seiner Vielfalt erfasst und keine Normen aufbaut.

Butch

Der Begriff „Butch“ bedeutet wörtlich aus dem Englischen übersetzt „maskulin“. Butch wird häufig als (Selbst-)Bezeichnung von lesbischen Personen mit einer eher maskulinen Geschlechtspräsentation und / oder einem eher maskulinen Geschlechtsbewusstsein verwendet. Butches können auch nicht-binär sein und nicht alle Personen, die sich als Butch bezeichnen, sind lesbisch beziehungsweise weiblich. „Femme“ bedeutet auf Französisch „Frau“ und ist das Gegenteil von Butch. Häufig bezeichnen sich lesbische Personen, die sich feminin präsentieren und die Geschlechterrolle „Frau“ für sich als zutreffend empfinden, als Femme. Butch und Femme beschreiben oft Rollenverteilungen in lesbischen Beziehungen. Manche Menschen finden, die Rollenverteilung in Butch und Femme würde heterosexuelle Beziehungen und patriarchale Rollenbilder reproduzieren. Es gibt dementsprechend auch Personen, die den Begriff „Butch“ als Selbstbezeichnung ablehnen, weil sie ihn als negativ wahrnehmen. Andere argumentieren hingegen, Butch und Femme würden bestehende Rollenbilder infrage stellen und somit patriarchale Strukturen herausfordern.

Cisnormativität

Die cisnormative Weltanschauung basiert auf mehreren Fehlannahmen:

  1. Es gibt nur zwei Geschlechter (männlich und weiblich).
  2. Das Geschlecht einer Person lässt sich anhand ihrer Genitalien bestimmen.
  3. Bei allen Menschen stimmt grundsätzlich ihr Geschlecht(sbewusstsein) mit ihren Genitalien und damit auch mit dem ihnen nach der Geburt zugewiesenen Geschlecht überein. Das bedeutet, alle Menschen sind cis.

Cisnormativität stellt Cisgeschlechtlichkeit als Norm und trans* bzw. Intergeschlechtlichkeit als Abweichung dar. Die Charakterisierung von trans* und inter als „anders“ oder „unnormal“ führt zu Diskriminierung und Ausgrenzung innerhalb der Gesellschaft.

Bevor ein Mensch überhaupt geboren wird, steht bereits die Frage im Raum, ob es sich bei ihm um einen Jungen oder ein Mädchen handelt. Dabei gibt es mehr als nur zwei Geschlechter. Genaugenommen ist die Frage vielmehr eine Frage nach den Genitalien des Kindes.

Über das eigene Geschlecht kann nur eine Person selbst Auskunft geben. Bei der Bestimmung des Geschlechts anhand der Genitalien handelt es sich stets um eine Fremdzuweisung. Cissexismus beschreibt die Marginalisierung und Unterdrückung von trans*, nicht-binären und intergeschlechtlichen Menschen auf übergeordneter, institutioneller, gesellschafftlicher, rechtlicher und kultureller Ebene. Er ist Teil eines strukturellen Systems der Unterdrückung, wie beispielsweise Rassismus oder Sexismus.

Transfeindlichkeit und Cissexismus sind eng verknüpft, wobei sich Transfeindlichkeit mehr auf die Unterdrückung und Anfeindung auf individueller Ebene (durch Einzelpersonen und Gruppen) bezieht.

CISSEXUS

cis” (lat. auf dieser Seite) bedeutet, dass das nach der Geburt zugewiesene Geschlecht und das tatsächliche Geschlecht(sbewusstsein) übereinstimmen. Also wenn im Personenstand zum Beispiel „männlich“ steht und sich diese Person mit „männlich“ richtig beschrieben weiß, dann ist diese Person cissexuell, bzw. hat einen Cissexus – also Körpermerkmale, die dem Geschlechtsbewusstsein entsprechen. „cis“ ist somit das Gegenteil von “trans”. Die Vorsilbe „cis“ wurde benötigt, um trans*, inter*, nicht-binäre und cisgeschlechtliche Menschen diskriminierungsfrei benennen zu können. Ein Begriff wie „cis“, der sich stark über das binäre Geschlechterkonstrukt definiert, stößt derzeit an seine Grenzen und muss überprüft werden.

as

Coming-Out

Der Begriff Coming-Out (deutsch: „Herauskommen“) bezeichnet die Selbstoffenbarung der eigenen Orientierung oder des Geschlechts. Oft wird er in Zusammenhang mit dem Ausdruck „Coming out of the closet“ gebracht, wörtlich „den Schrank verlassen“. Diese Redensart tauchte jedoch erst in den 1960ern auf, nachdem Coming-Out bereits Einzug in den Sprachgebrauch der LSBTTIQ* Community gehalten hatte.

Anfangs verwendeten ausschließlich schwule Männer den Begriff Coming-Out. Sie bezeichneten damit die Offenbarung ihrer sexuellen Orientierung vor anderen schwulen Männern und ihren Beitritt in die schwule Community. Die heutige Verwendung von Coming-Out kann unter anderem auf den deutschen Juristen und Aktivisten für Schwulenrechte Karl Heinrich Ulrichs (1825-1895) zurückgeführt werden. Er sah in der Selbstoffenbarung einen Weg zur Emanzipation. Ulrichs betrachtete es als notwendig, dass homosexuelle Menschen ihre sexuelle Orientierung mit Selbstbewusstsein präsentierten. Nur so könnte die öffentliche Einstellung zu homosexuellen Menschen geändert werden. Ein Coming-Out ist noch immer notwendig, da unsere heteronormative und cissexistische Gesellschaft annimmt, man sei heterosexuell und cisgeschlechtlich – bis man dieser Annahme widerspricht.

Ein Coming-Out ist häufig mit Angst vor sozialer Ausgrenzung und anderen negativen Konsequenzen besetzt. Hinzu kommt oft die Sorge, sozialen Erwartungen nicht zu entsprechen. Gleichzeitig ist ein Coming-Out für die meisten Personen sehr befreiend, weil sie ihr wahres Ich offenbaren und endlich sichtbar sein können.

Es gibt zwei Arten von Coming-Outs: Wenn sich eine Person ihre sexuelle Orientierung / ihr Geschlecht selbst eingesteht, spricht man vom inneren Coming-Out. Teilt die Person diese Erkenntnisse mit anderen, wird das als äußeres Coming-Out bezeichnet. Das Coming-Out ist ein Dauerprozess. Die meisten Menschen outen sich nicht nur einmal, sondern immer wieder, wenn sie beispielsweise neue Leute kennenlernen oder sich in einem neuen sozialen Umfeld bewegen.

Ein Coming-Out muss nicht vollständig sein. Jede Person kann selbst entscheiden, wem sie ihre sexuelle Orientierung oder ihr Geschlecht offenbart. Der Begriff Outing beschreibt hingegen die übergriffige Handlung, bei der eine Person ungefragt die sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Thematik eines anderen Menschen offenbart.

COMMUNITY

Community ist das englische Wort für Gemeinde oder Gemeinschaft. In der Soziologie steht es für eine überschaubare soziale Gruppe, deren Mitglieder eng durch eine gesellschaftliche oder soziale Haltung miteinander verbunden sind. Eine Community wird durch ein ausgeprägtes Gemeinschaftsgefühl charakterisiert. Im Rahmen von LSBTTIQ* spricht man häufig von der queeren Community. Sie umfasst alle queeren Einzelpersonen, Gruppen (bzw. Organisationen) und Institutionen in einem zumeist räumlich begrenzten Bereich. Das kann beispielsweise eine Stadt oder ein ganzes Land sein. Allerdings kann mit der queeren Community auch die Gesamtheit aller queeren Individuen gemeint sein. Ein Gemeinschaftsgefühl entsteht dadurch, dass sich alle Menschen in dieser Gruppe als queer bezeichnen. Eine übergeordnete Community kann in weitere untergeordnete Gemeinschaften unterteilt werden. Ein Beispiel hierfür ist die trans* Community innerhalb der queeren Community.

Demiboy / Demigirl

Die Vorsilbe „Demi“ beschreibt „zur Hälfte“, „in der Nähe von“, „teilweise zugehörig“ oder „in der Sphäre von“.

Häufig wird „Demi-boy“ / “Demi-girl“ von Personen verwendet, die sich selbst überwiegend aber nicht ausschließlich mit „männlich“ / “weiblich“ oder maskulinen / femininen Eigenschaften beschreiben. Demi-boy und Demi-girl fallen zusammen mit Demi-non-binary unter den Oberbegriff Demi-gender. Die Beschreibung als Demi-gender ist unabhängig von dem nach der Geburt zugewiesenen Geschlecht. Beispielsweise können sich sowohl nach der Geburt als „männlich“, als auch als „weiblich“ zugewiesene Personen als Demi-Boy beschreiben, wenn sie ihr Geschlechtsbewusstsein in der Sphäre von „männlich“ verorten.

Demisexualität

Demisexualität ist eine sexuelle Orientierung, die sich zwischen Allosexualität und Asexualität verorten lässt. Demisexuelle Menschen fühlen sich nur dann zu einer anderen Person körperlich / sexuell hingezogen, wenn sie eine emotionale Bindung zu dieser Person aufgebaut haben. Eine emotionale Bindung führt dabei nicht immer zu sexueller Anziehung. Sie ist jedoch die Voraussetzung dafür, dass überhaupt eine sexuelle Anziehung entsteht. Viele demisexuelle Menschen fühlen sich nur selten zu anderen Personen sexuell hingezogen, weshalb sie häufig zur asexuellen Community gezählt werden.

Die Dritte Option

Neben den zwei Geschlechtsoptionen „männlich“ und „weiblich“ besteht seit einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 2018 die Möglichkeit, das Geschlecht als „divers“ eintragen zu lassen. Diese dritte Option soll intergeschlechtlichen Personen einen positiven Geschlechtseintrag ermöglichen.

Der Geschlechtseintrag „divers“ kann ausschließlich von intergeschlechtlichen Personen in Anspruch genommen werden, die sich einer Begutachtung durch Mediziner*innen unterziehen. Das bedeutet, intergeschlechtliche Menschen können weiterhin ihren Geschlechtseintrag nicht selbst bestimmen. Sie sind von einer Fremdzuweisung durch Mediziner*innen abhängig.

Bei der momentanen Gesetzeslage zum Dritten Geschlechtseintrag handelt es sich um eine absolute Minimallösung. Das Thema muss dringend weiterbearbeitet werden, um die Fremdzuweisung durch Mediziner*innen zu stoppen und intergeschlechtlichen Personen Selbstbestimmung zu ermöglichen. Außerdem sollte der Geschlechtseintrag „divers“ auch nicht-binären Menschen zur Verfügung stehen.

ACHTUNG: Die Dritte Option ist ausschließlich eine Eintragsoption im Personenstand und KEIN drittes Geschlecht!

DYKE

Dyke kommt aus dem Englischen und steht für „Lesbe“. Lange Zeit galt Dyke als lesbenfeindliches Schimpfwort, das sich vor allem gegen maskuline Lesben richtete. Indem sich lesbische Menschen selbst als Dykes bezeichneten, verlor es über die Jahre mehr und mehr seine negative Bedeutung (= „Reclaiming“). Allerdings gibt es noch immer Personen, die das Wort Dyke als negativ konnotiert wahrnehmen und als Selbstbezeichnung ablehnen. Viele sehen Dyke heute als neutrales Wort für Lesbe oder als eine positive Selbstbezeichnung für Lesben, die Selbstbehauptung und Widerstandsfähigkeit impliziert. Manche verwenden Dyke auch ausschließlich als Bezeichnung für eher maskuline Lesben, wobei der Begriff eine ähnliche Bedeutung hat wie Butch.

Dysphorie

Bei Dysphorie (griech. dusphoría, “großer Schmerz”) handelt es sich um ein körperliches, psychisches oder soziales Unwohlsein, das bei vielen trans* und manchen nicht-binären Menschen durch die Eigen- und Fremdwahrnehmung entsteht. Dieses Unwohlsein kann beispielsweise durch Pronomen, Namen, Kleidung oder körperliche Merkmale ausgelöst werden. Es wird zwischen Gender- und Körperdysphorie unterschieden. Genderdysphorie bezeichnet den Leidensdruck, der entsteht, wenn die gesellschaftlich erwartete soziale Geschlechterrolle nicht mit dem eigenen Geschlechtsbewusstsein übereinstimmt. Z.B wenn die Gesellschaft von einer männlichen (jedoch nach der Geburt weiblich zugewiesenen) Person weiblich normiertes Verhalten und weibliche Kleidung erwartet oder auch die Person mit einem weiblichen Personalpronomen anspricht. Körperdysphorie beschreibt hingegen den Leidensdruck, der durch die Nichtübereinstimmung von körperlichen Merkmalen und Geschlechtsbewusstsein ausgelöst wird. Viele von Körperdysphorie betroffenen Menschen ergreifen aufgrund des großen Leidensdrucks körperangleichende Maßnahmen. Dabei kann es sich unter anderem um Hormontherapien oder Operationen handeln. Die Stärke des Leidensdrucks / Unwohlseins variiert von Person zu Person und kann je nach Situation unterschiedlich sein. Es gibt auch trans* und nicht-binäre Menschen, die keine Dysphorie empfinden – Dysphorie ist nicht notwendig, um sich selbst als trans* oder nicht-binär zuzuordnen.

FTM / MTF / MTM / FTF

FTM steht für „female-to-male“ (weiblich-zu-männlich). Die Abkürzung wird manchmal für Personen verwendet, denen das Geschlecht weiblich zugewiesen wurde, obwohl sie männlich sind. MTF steht für male-to-female (männlich-zu-weiblich). Die Abkürzung wird manchmal für Personen verwendet, denen das Geschlecht männlich zugewiesen wurde, obwohl sie weiblich sind. Die Abkürzungen FTM / MTF legen den Fokus auf eine Transition „von einem Geschlecht zum anderen“. Für viele trans* und nicht-binäre Menschen treffen diese Begriffe jedoch nicht auf ihr Geschlechtsbewusstsein zu. Sie „wechseln“ nicht von einem Geschlecht zu einem anderen, weshalb diese Abkürzungen irreführend sind. Diese Menschen waren schon immer dem Geschlecht zugehörig, welches ihrem Geschlechtsbewusstsein entspricht. Ihnen wurde nach der Geburt jedoch ein falsches oder sie nicht vollständig beschreibendes Geschlecht zugewiesen. Die Abkürzungen werden vor allem im medizinischen und rechtlichen Bereich verwendet. FTF steht für „female-to-female” (weiblich-zu-weiblich). Die Abkürzung wird manchmal von trans* Frauen verwendet, die ablehnen, dass sie je männlich gewesen sein sollen. MTM steht für „male-to-male“ (männlich-zu-männlich). Die Abkürzung wird manchmal von trans* Männern (MTM) verwendet, die ablehnen, dass sie je weiblich gewesen sein sollen.

GATEKEEPER*IN

Gatekeeper*in bedeutet so viel wie Torwächter*in oder Türsteher*in. Im LSBTTIQ* Kontext handelt es sich dabei um eine negative Bezeichnung, die für Fremdbestimmung und Unterdrückung von queeren Individuen und Gruppen steht. Gatekeeper*innen sind Individuen, Organisationen oder Institutionen, die darüber entscheiden, zu welchen Leistungen LSBTTIQ* Personen Zugang haben, welchen Gruppen sie zugehörig sind und welche Selbstbezeichnungen sie verwenden dürfen. Zu Gatekeeper*innen außerhalb der LSBTTIQ* Community gehören beispielsweise Gerichte, welche über die Namens- und Personenstandsänderung von trans* Menschen entscheiden. Oder Mediziner*innen, die anhand übergriffiger Begutachtungen von intergeschlechtlichen Menschen über deren Geschlechtseintrag als „divers“ bestimmen. Auch innerhalb der LSBTTIQ* Community gibt es Gatekeeper*innen, wie beispielsweise Menschen, die Dysphorie als Voraussetzung dafür ansehen, dass sich jemand als trans* bezeichnen darf. Oder Mitglieder der LSBTTIQ* Community, die versuchen, asexuelle Personen aus der Gemeinschaft auszuschließen. Gatekeeping stellt die Selbstbestimmung in Frage. Die einzige Person, die über ihr Geschlecht oder ihre sexuelle Orientierung Auskunft geben kann, ist die Person selbst.

genderfluid

Genderfluide Menschen haben ein „flüssiges“ Geschlecht, das sich mit der Zeit oder in Abhängigkeit von Situationen ändert. Obwohl „genderfluid“ ein nicht-binäres Geschlecht ist, können sich genderfluide Personen auch zeitweise binär (männlich / weiblich) verorten.

genderqueer

Der Begriff „queer“ sagt vor allem: „Keine Schublade!“. Genderqueere Personen lehnen eine Einordnung in Geschlechtsschubladen ab. Sie sind nicht ausschließlich männlich und auch nicht ausschließlich weiblich. Die normierten Begriffe passen einfach nicht. „Genderqueer“ als Überbegriff beschreibt zudem alle Personen die sich der Binär- und Cisnormativität entziehen.

Heteronormativität

Unsere Gesellschaft ist stark heteronormativ geprägt. Eine heteronormative Weltanschauung stellt Heterosexualität, also gegengeschlechtliches Begehren, als soziale Norm und einzige „natürliche“ sexuelle Orientierung dar. Innerhalb der Queer Theory wird der Begriff Heteronormativität verwendet, um darauf aufmerksam zu machen, welche Privilegien aus diesem Konzept abgeleitet werden. Grundsätzlich gelten Menschen als heterosexuell bis sie sich als nicht-heterosexuell outen. Dieses Coming-Out ist in einer heteronormativen Gesellschaft notwendig, um die eigene sexuelle Orientierung sichtbar zu machen. Allerdings ist ein Coming-Out in diesem Rahmen häufig mit Angst vor sozialen Konsequenzen und der Sorge verbunden, der gesellschaftlichen Erwartungshaltung nicht zu entsprechen. Heteronormativität bedeutet auch das Festschreiben traditioneller Geschlechterrollen, die, ähnlich wie das gegengeschlechtliche Begehren, als „natürlich“ dargestellt werden. Das heißt, es gibt klare Vorstellungen, wie sich Frauen und Männer verhalten sollten. Typisch für eine Frau wäre es nach dieser Auffassung beispielsweise, ein Kleid oder Make-Up zu tragen sowie sehr fürsorglich zu sein. Dieses Verhalten ist allerdings nur für Frauen sozial akzeptabel. Typisch für einen Mann wäre es hingegen, keine Emotionen zu zeigen, einen Bart zu tragen oder dominant zu sein. Eine gravierende Folge dieser Heteronormativität ist LSBTTIQ*-Feindlichkeit. Queere Menschen werden von einer heteronormativen Gesellschaft oft marginalisiert, diskriminiert und verfolgt. Ihre sexuellen Orientierungen und auch die vermeintliche Überschreitung der erwarteten „natürlichen“ Geschlechterrolle gelten als Abweichungen von der Norm und werden entsprechend geahndet. Heteronormativität schadet nicht nur queeren Menschen. Sie schränkt alle ein. Sie schreiben vor, wie sich Menschen zu verhalten haben und lassen wenig Spielraum, die eigene Persönlichkeit zu finden und frei auszuleben.

Intergeschlechtlichkeit

Lässt sich ein Mensch anhand seiner körperlichen Merkmale (insbesondere der Genitalien), der Chromosomen oder der Hormonproduktion nicht eindeutig der medizinischen-gesellschaftlichen Norm von „männlich“ oder „weiblich“ zuordnen, sind seine körperlichen Merkmale also (aus mehrheitsgesellschaftlicher Sicht) mehr- oder uneindeutig, wird von Intergeschlechtlichkeit oder Inter* gesprochen. Noch heute werden in Deutschland etwa 1.700 genitalzwangszuweisende Operationen pro Jahr an inter* Menschen im Kleinstkindsalter durchgeführt, obwohl es sich hierbei um eine klare Menschenrechtsverletzung handelt. Bei diesen Eingriffen werden die Genitalien von inter* Menschen in der Regel gewaltsam an ein „weibliches“ Genital angeglichen. Da hier nicht das Kind im Mittelpunkt steht, sondern die gesellschaftliche Erwartungshaltung, werden diese Eingriffe auch „normierende“ Operationen genannt. Seit Anfang 2019 können intergeschlechtliche Personen ihren Personenstand als „divers“ (Die Dritte Option) eintragen lassen. Hierfür ist aber derzeit noch immer eine übergriffige Begutachtung durch Mediziner*innen, also eine fremdbestimmte Diagnose notwendig. Der Begriff inter* umfasst als Überbegriff Selbstbezeichnungen wie intersex, intergender, intersexuell oder intergeschlechtlich.

Internalisierung

Der Begriff „Internalisierung“ (lat. internus „innen befindlich“) bezeichnet die Verinnerlichung von außen kommender Erwartungen, Normen, Werte und Rollen einer Gemeinschaft. Diese werden z. B. durch Erziehung und Sozialisation von Menschen so gelernt, dass sie als zur Person gehörend und „richtig“ wahrgenommen werden. Diese Prozesse laufen größtenteils unbewusst ab. Weicht das eigene Verhalten von diesen gelernten Erwartungen ab, geht dies oft mit Schuldgefühlen einher.

Homo- und Trans*feindlichkeit, Rassismus, Ableism etc. sind so tief in der Gesellschaft verankert, dass Kinder häufig wissen, dass z. B. Homosexualität abgewertet werden soll, noch bevor sie eine klare Vorstellung davon haben, was Homosexualität ist. Dies führt dann wiederum zu subtiler Diskriminierung, die jedoch für die betroffenen Personen genauso verletzend sein kann wie offene Gewalt.

Internalisierte Homo- und Trans*feindlichkeit führt bei homosexuellen und trans* Personen zu Scham, Angst vor Bloßstellung, verstärkter oder überzeichneter Männlichkeitspräsentation als „Ausgleich / Beweis der Männlichkeit“ sowie Abwertung von „Weiblichkeit“ (z. B. Bottomshaming, Diskriminierung von „Tunten“) u.v.m. Besonders gravierend sind diese internalisierten Vorstellungen im Zusammenhang mit Gewalterfahrungen und Krankheit:

„Ich wurde geschlagen, weil ich lesbisch bin!“ oder „Ich habe mich mit HIV infiziert, weil ich schwul bin.“ sind typische Reaktionen aufgrund von internalisierter Homo- und Trans*feindlichkeit. Hier führen die gelernten und verinnerlichten Muster zu einer Täter*innen-Opfer-Umkehr bzw. einer Verknüpfung / Erklärung aller negativen Erfahrungen mit der sexuellen Orientierung.

Auch homosexuelle und trans* Menschen müssen lernen, mit ihrer eigenen internalisierten Homo- und Trans*feindlichkeit umzugehen.

Intersektionalität

Intersektionalität (vom englischen Wort „intersection“) steht für „Überschneidung“ oder „Schnittmenge“. Der Begriff wurde von Schwarzen Feministinnen in den USA geformt. Intersektionalität beschreibt die Wechselwirkung verschiedener Diskriminierungsformen. Dabei betrachtet sie genauer, wie verschiedene Machtsysteme und -strukturen ineinandergreifen und marginalisierte Gruppen in der Gesellschaft beeinträchtigen. Wirken verschiedene Diskriminierungsformen gleichzeitig auf eine Person ein und „überschneiden“ sich, wird von intersektioneller Diskriminierung gesprochen. Wenn sich mehrere Arten von Diskriminierungen in einer Person summieren, führt das zu eigenständigen Diskriminierungsformen. Ein Beispiel: Eine Schwarze Frau macht Rassimus- und Sexismuserfahrungen. Diese Erfahrungen unterscheiden sich sowohl von den Erfahrungen, die Schwarze Männer, als auch weiße Frauen machen. Intersektionelle Diskriminierung ist eine spezielle Form der Mehrfachdiskriminierung. Verschiedenen Formen von Diskriminierungen, die auf eine Person einwirken – egal ob gleichzeitig oder nicht – werden als Mehrfachdiskriminierung bezeichnet. Diskriminierungsformen können beispielsweise Rassismus, Sexismus, Ableismus (Abwertung von Menschen aufgrund des Fehlens bestimmter Fähigkeiten) oder Klassismus (Abwertung von Menschen aufgrund der sozialen Herkunft) sein. Menschen haben komplexe soziale Identitäten und sind nicht nur einer sozialen Gruppe, sondern mehreren zugehörig. Diese Mehrfachzugehörigkeit kann in Mehrfachdiskriminierungen resultieren. Beispielsweise gibt es Menschen, die körperlich und / oder geistig beeinträchtigt sowie queer sind. Diese Personen sind neben LSBTTIQ* Feindlichkeit auch mit Ableismus konfrontiert. Deshalb müssen gerade Räume für marginalisierte Gruppen Intersektionalität berücksichtigen. Nur so können auch Safe Spaces für von Mehrfachdiskriminierung betroffene Menschen entstehen. Auch soziale Bewegungen, wie der Feminismus, sollten intersektionell gedacht werden.

Label

Das Wort „Label“ heißt auf deutsch „Etikett“ oder „Bezeichnung“. Labels werden häufig von Menschen verwendet, um ihre sexuelle / romantische Orientierung und ihr Geschlecht zu benennen. Für viele sind solche Bezeichnungen wichtig, um ihre Erfahrungen zu verbalisieren und sich mit anderen darüber auszutauschen. Lesbisch, pansexuell oder trans* sind beispielsweise Labels. Labels zu finden und ihre Bedeutung zu definieren birgt oft Konfliktpotential. Nicht jeder, der eigentlich unter die Definition eines Labels fallen würde, fühlt sich von diesem auch korrekt beschrieben. Daher solltenBezeichnungen stets selbstgewählt und nicht von anderen zugewiesen werden. Innerhalb der LSBTTIQ* Community gibt es auch Menschen, die jegliche Labels und Schubladisierung ablehnen und sich als „queer“ bezeichnen, was so viel bedeuten kann wie „keine Schublade“.

LGBTTIQQAAP*

In den USA der 1980er entstand die Abkürzung LGB (lesbian, gay, bisexual) als Ersatz für das zu dieser Zeit negativ konnotierte Wort „homosexual“ (homosexuell). In den 1990ern kam ein T für „transgender“ hinzu. Später wurde das Akronym um ein I für „intersex“ (intergeschlechtlich) und ein q für queer („keine Schublade“) bzw. questioning (fragend) erweitert. Die Abkürzungen LGBTQ und LGBTIQ sind als Oberbegriff für queere Menschen weltweit verbreitet. Im deutschen Sprachgebrauch werden oft LSBTI, LSBTIQ und LSBTTIQ verwendet. Das S steht dabei für schwul und das zweite T für transsexuell. Ein hinzugefügtes Sternchen (*) soll all diejenigen Menschen in der Community einschließen, die sich selbst weder als lesbisch, schwul, bisexuell, transgender, transsexuell, intergeschlechtlich oder queer bezeichnen, dennoch nicht heterosexuell und / oder cisgeschlechtlich sind oder sich aus anderen Gründen der Community zugehörig fühlen. Gelegentlich werden dem Begriff LSBTTIQ* einige Buchstaben hinzugefügt, um keine Gruppe auszuschließen. Das längste derzeit verwendete Akronym ist LGBATIQQP+. Es steht für lesbisch, schwul (gay), bisexuell, asexuell, trans*, inter*, queer, questioning und pansexuell. Das Plus erfüllt den gleichen Zweck wie das Sternchen bei LSBTTIQ*. Die Abkürzung LSBTTIQ* bezeichnet häufig eine ganze Community. Allerdings benennt sie nur einzelne Gruppen innerhalb der Gemeinschaft und nicht alle. Außerdem kritisieren einige Menschen die Abkürzung als zu sperrig. Um diesen Problemen zu entgehen, wird auch von der queeren Community oder der Regenbogen-Community / Regenbogen-Gemeinschaft gesprochen. Diese Begriffe werden jedoch ebenfalls kritisiert, denn sie könnten durch ihre Allgemeinheit einzelne Gruppen in der Community unsichtbar machen. Wir können gespannt sein, wie sich die Begrifflichkeiten im Laufe der Zeit weiter verändern werden.

Misgendern

Wenn wir Menschen im alltäglichen Leben absichtlich oder unabsichtlich einem falschen Geschlecht zuordnen, nennt man dies misgendern. Bewusste Geschlechts-Falschzuweisungen (z.B. durch die konsequente Verwendung des falschen Personalpronomens) sind aggressive Handlungen und können auf Dauer zu erheblichen seelischen Verletzungen führen.

Neutrois

Bei dem Wort „neutrois“ handelt es sich um eine Wortschöpfung, die 1995 von H.A. Burnham kreiert wurde. Burnham war eine Person, die ihr Geschlechtsbewusstsein als neutrois beschrieb. Der Begriff soll sich aus den französischen Wörtern „neutre“ (= neutral) und „trois“ (= drei) zusammensetzen und damit für ein drittes, neutrales Geschlecht neben „männlich“ und „weiblich“ stehen. Neutrois ist ein Geschlecht, das sich außerhalb des binären Geschlechtersystems befindet. Es fällt deshalb unter den Oberbegriff nicht-binär. Im Gegensatz zu Menschen, die agender sind (also kein Geschlecht haben), nehmen sich neutrois Menschen als klar einem Geschlecht zugehörig wahr: dem neutralen Geschlecht. Ein anderes Wort für neutrois kann auch geschlechtsneutral sein. Manche neutrois Menschen empfinden eine starke Körperdysphorie. Sie möchten ihre Körper von Merkmalen befreien, die als „männlich“ oder „weiblich“ eingeordnet werden könnten.

nicht-binär

Die christlichen Kulturen teilen die Menschen in gerade mal zwei Geschlechter ein: weiblich und männlich. Mittlerweile wurde mit „inter / divers“ in Deutschland immerhin ein Personenstand für intersex Personen geschaffen – und so zumindest dieses Geschlecht rechtlich anerkannt (Die Dritte Option). Jedoch gibt es noch sehr viel mehr Geschlechter: Andere Kulturen wie z.B. in Thailand und Bolivien, die indigenen Völker Nordamerikas, aber auch die jüdischen Schriften (z.B. Androgynos, Ay’lonit, Saris, Tumtum) kennen bis zu zehn verschiedene Geschlechter. Menschen, die sich dem hier überwiegenden Zweiersystem nicht zugehörig fühlen, sondern ihr Geschlecht außerhalb dieses Systems wissen oder auch mehreren Geschlechtern gleichzeitig angehören, werden als Nicht-Binäre bzw. non-binarys (Enby) bezeichnet. Sie sind also nicht (ausschließlich) männlich und auch nicht (ausschließlich) weiblich. Ähnlich wie Menschen mit Transexus leiden auch nicht-binäre Personen häufig unter dem Widerspruch zwischen Körpermerkmalen und Geschlecht (Körperdysphorie) bzw. erwarteter sozialer Rolle und Geschlecht (Genderdysphorie). „Nicht-binär“ ist ein Überbegriff für sehr viele unterschiedliche Geschlechter: agender, neutrois, androgyn, mixed-gender, genderfluid, bigender, genderqueer, demi-boys, demi-girls und viele mehr. Da man Menschen nicht unbedingt ansieht, welchem Geschlecht sie sich zugehörig fühlen und welches Personalpronomen sie bevorzugen – fragt einfach nach. Oder: Stellt Euch doch einfach mal mit Personalpronomen vor: „Hallo ich bin Josh, mein Personalpronomen ist er / ihn„. Das sorgt zunächst für Verwirrung, macht aber auch deutlich, dass Euch das Thema wichtig ist.

Ästethische, romantische und sexuelle Orientierung

Die ästhetische Orientierung beschreibt, welche Attribute eine Person bei anderen Menschen attraktiv oder „schön“ findet. Das Konzept ist jedoch insofern problematisch, dass sich dahinter häufig diskriminierende Einstellungen verbergen. Die romantische Orientierung sagt aus, in welches Geschlecht oder welche Geschlechter sich eine Person verliebt oder mit wem sie eine romantische Beziehung eingehen möchte. Beispiele hierfür sind heteroromantisch oder panromantisch. Die sexuelle Orientierung beschreibt, von welchem Geschlecht oder welchen Geschlechtern sich eine Person emotional, körperlich und / oder sexuell angezogen fühlt. Beispiele hiefür sind homosexuell oder bi(+)sexuell. Die romantische Orientierung und die sexuelle Orientierung einer Person müssen nicht übereinstimmen. Ein Mensch kann beispielsweise heteroromantisch und asexuell sein.

Pansexualität

Für pansexuelle Menschen spielt das Geschlecht einer Person keine Rolle. Sexualität kann mit allen Menschen unabhängig von deren Geschlecht gelebt werden. Dieses Zurücktreten des Geschlechts unterscheidet Pansexualität von Bi+sexualität und anderen polysexuellen (auf mehr als ein Geschlecht bezogenen) Orientierungen, da bei diesen zwar mehrere oder alle Geschlechter als sexuelle anziehend empfunden werden, dem Geschlecht jedoch eine Bedeutung zukommt.

Privileg

Ein Privileg (von lat. privilegium – Ausnahmegesetz), bezeichnet ein Vorrecht bzw. Vorteil, welcher bestimmten Personengruppen zuteil kommt. Es gibt viele Arten von Privilegien, welche sich durch körperliche / psychische (z.B. Geschlecht, Hautfarbe, Gesundheit) und sozialen (z.B. Bildung, Finanzen) und andere Merkmale ergeben. Grundsätzlich haben privilegierte Menschen einen gesellschaftlichen „Vorteil“. Diese Vorteile reichen von nicht-erfahrener Diskriminierung bis hin zu besserer Bezahlung und bevorzugter Behandlung. Vielen Menschen sind die eigenen Privilegien nicht bewusst, wodurch oft ungewollt Menschen ohne diese Privilegien unterdrückt werden. Man kann jedoch seine eigenen Privilegien auch erkennen und dazu nutzen, Menschen ohne diese Privilegien eine größere Reichweite zu bieten, oder um die Abschaffung dieser Privilegien und für die Gleichbehandlung aller zu kämpfen. Zu den großen Privilegien gehören patriarchale Strukturen, die Männern eine bewusste und unbewusste Bevorteilung gegenüber anderen Geschlechtern einräumen. Aussagen, wie z.B. „Alle Männer sind privilegiert“ sind jedoch dennoch umstritten, da nicht jede*r gleich ist, und viele verschiedene Faktoren zu Privilegien hinzuzählen.

Queer

Queer bedeutet so viel wie „keine Schublade“ und steht für die Abweichung von der heterosexuellen und cisgeschlechtlichen gesellschaftlichen Norm. Im Englischen galt queer lange Zeit als homofeindliches Schimpfwort. Indem sich homosexuelle Menschen selbst als queer bezeichneten, verlor es jedoch mehr und mehr seine negative Bedeutung (= „Reclaiming„). Heute sieht ein Großteil der LSBTTIQ* Community den Begriff als zurückerobert an. Allerdings gibt es noch immer Menschen, welche den Begriff queer aufgrund seiner Geschichte ablehnen. Als Sammelbegriff umfasst queer alle Untergruppen der LSBTTIQ* Community, ohne einzelne hervorzuheben, auszuschließen oder zu labeln. Diese Verwendung von queer wird jedoch teilweise kritisiert, denn die Sichtbarkeit einzelner Gruppen innerhalb der Community könnte dadurch abnehmen. Als Selbstbezeichnung wird queer häufig von Menschen verwendet, die ihr Geschlecht oder ihre Orientierung keiner bestimmten Kategorie zuordnen wollen. Außerdem gibt es eine interdisziplinäre kulturwissenschaftliche Forschungsrichtung, die sich „Queer Studies“ nennt. Dieser Wissenschaftszweig befasst sich mit Sexualität, sexueller Orientierung und Geschlecht und legt dabei einen Fokus auf LSBTTIQ* Themen.

Questioning

Questioning heißt auf Deutsch „fragend“. Der Begriff wird häufig von Menschen verwendet, die ihre sexuelle / romantische Orientierung und / oder ihr Geschlecht hinterfragen. Oft haben diese Personen (noch) keine andere Bezeichnung gefunden, mit der sie sich korrekt beschrieben wissen und wohlfühlen. Um sich über die eigene Orientierung und / oder das Geschlecht klar zu werden, hilft am besten: Ausprobieren! Menschen, die questioning sind, gehören selbstverständlich zur LSBTTIQ* Community.

Reclaiming

LSBTTIQ* und andere Minderheiten werden häufig mit Schimpfworten konfrontiert. Eine Methode, sich gegen solche Angriffe zu wehren, ist das Reclaiming (auf deutsch: zurückfordern, für sich beanspruchen. Reclaiming beschreibt den Prozess, Begriffe, die als Beleidigung genutzt werden, innerhalb der jeweiligen Community einer marginalisierten Gruppe und nach außen zur Selbstbeschreibung zu nutzen. Hierdurch „entwaffnet“ man diese Begriffe. Die Übernahme als Selbstbezeichnung dient der Provokation, der Konfrontation, dem Empowerment und der Sichtbarmachung von Diskriminierung und Marginalisierung. Bekannte Beispiele für Reclaiming sind z.B. queer, schwul oder Dyke, welche früher hauptsächlich als Beleidigung genutzt wurden, heute jedoch relativ neutrale (Selbst-)Bezeichnungen sind. Achtung: Es ist ein Unterschied, ob Betroffene einen reclaimten Begriff zur Selbstbeschreibung nutzen oder ob sie von Außenstehenden verwendet werden. Letzteres kann trotz erfolgtem Reclaiming eine Beleidigung darstellen.

Regenbogenflagge

Die Regenbogenflagge steht weltweit für Aufbruch, Veränderung, Frieden, Hoffnung und Akzeptanz. Seit den späten 1970ern gilt sie auch als internationales Zeichen der LSBTTIQ* Community und symbolisiert „Pride“ (deutsch: Stolz), sowie die Vielfalt der queeren Community. Die Pride-Regenbogenflagge wurde 1978 vom amerikanischen Künstler Gilbert Baker für den Gay Freedom Day entworfen, dem Vorläufer der späteren Gay Pride. Die ursprüngliche Version von Bakers Flagge hat acht Farbstreifen, die unterschiedliche Bedeutungen haben: Hot Pink = Sexualität, Rot = Leben, Orange = Gesundheit, Gelb = Sonnenlicht, Grün = Natur, Türkis = Kunst, Königsblau = Harmonie, Violett = Geist. Gilbert Baker färbte die ersten Pride-Flaggen von Hand. Als die Flagge jedoch maschinell hergestellt werden sollte, musste sie auf sieben Streifen reduziert werden – denn „Hot Pink“ ließ sich zu diesem Zeitpunkt nicht industriell färben. Der türkisene Streifen wurde 1979 entfernt, um eine gerade Anzahl an Streifen zu erhalten. Inzwischen wird versucht, die Regenbogenflagge wieder in ihren ursprünglichen acht Farben zu etablieren. In Deutschland wurde die Regenbogenflagge erstmals 1996 an einem öffentlichen Gebäude in Berlin gehisst. Seit 2015 ist die Pride-Regenbogenflagge fester Bestandteil der Design-Ausstellung im Museum of Modern Art in New York.

Geschichte der Regenbogenflagge

Heute gibt es unterschiedliche Variationen der Pride-Regenbogenfahne, die 1978 von Gilbert Baker designt wurde. Ursprünglich bestand sie aus acht Farben (hot pink, rot, orange, gelb, grün, türkis, königsblau, violett), wurde jedoch auf sechs reduziert. Zu Zeiten der AIDS-Epidemie wurde eine Pride-Flaggen entworfen, der ein einzelner schwarzer Streifen hinzugefügt wurde. Dieser Streifen sollte für diejenigen Mitglieder der Community stehen, welche den Kampf gegen AIDS verloren hatten. Im Jahr 2017 stellte das Philadelphia Office of LGBT Affairs eine neue Flagge vor. Diese setzte sich aus den sechs Regenbogenfarben, einem schwarzen und einem braunen Streifen zusammen. Die beiden zusätzlichen Streifen sollten die Black and People of Color in der Community hervorheben. Im Jahr 2018 stellte der Designer Daniel Quasar eine Regenbogenflagge vor, die auf der Version aus Philadelphia basierte. Den sechs Regenbogenfarben fügte er Dreieck hinzu, das die Farben der Transflagge (weiß, rosa, hellblau), sowie einen braunen und schwarzen Streifen enthielt. Schwarz und braun hatten die gleiche Bedeutung wie bei der Flagge aus Philadelphia. Mit den Farben der Transflagge will Quasar zusätzlich den Fokus auf trans* Menschen legen. Es gab viele Diskussionen um diese Versionen der Flagge. Unter anderem wurde argumentiert, dass die ursprüngliche Regenbogenflagge nichts mit einzelnen Gruppen innerhalb der Community zu tun hatte. Stattdessen stand sie für übergeordnete, alle Menschen betreffende Aspekte wie „Gesundheit“ oder „Harmonie“. Deshalb sollten auch einzelne Gruppe nicht durch eine Erweiterung der Flagge hervorgehoben werden. Philadelphia wollte mit der neuen Flagge Rassismus innerhalb der Community entgegenwirken und verdeutlichen, dass Black and People of Color Teil der Community sind. In Deutschland ist das Hinzufügen eines braunen Streifens zur Flagge problematisch – um sich von Rechtspopulisten abzugrenzen, wird innerhalb der LSBTTIQ* Community häufig darauf verwiesen, dass braun keine Farbe des Regenbogens sei. Beim Festival „Love Fest“ in São Paolo im Jahr 2018 wurde eine weitere Version der Flagge präsentiert, die von dem Mitbegründer des Festival Estêvão Romane entworfen wurde: die acht Farben der ursprünglichen Regenbogenflagge wurden um einen neunten Streifen erweitert – einem weißen Streifen in der Mitte der Flagge. Dieser soll für Diversität in Religion, Geschlecht, Herkunft, sexueller Orientierung und Frieden und Gemeinschaft stehen.

Seximus

Sexismus bezeichnet die Abwertung von Menschen auf Grund ihres Geschlechts. Er ist tief in unserer Gesellschaft verankert und basiert auf Annahmen und Vorurteilen, wie Menschen ihr Geschlecht auszuleben haben. Diese Abwertung ist eng mit Machtstrukturen verknüpft. „Patriarchat“ (Väterherrschaft) beschreibt ein historisch bedingtes Machtungleichgewicht, welches Männer über alle anderen Geschlechter stellt. Sexismus betrifft und alle. Wir alle leiden unter festgeschriebenen Geschlechterrollen und ungleich verteilter Macht. Männern werden „weibliche“ Eigenschaften als „Schwäche“ unterstellt. Frauen wird ihre „Weiblichkeit“ abgesprochen, wenn sie „männliche“ Eigenschaften besitzen. Oder von nicht-binären Menschen wird eine „Eindeutigkeit“ verlangt, die ihrem Selbst komplett widerspricht. Die Folgen von Sexismus für Männer zeigen sich deutlich in der sogenannten „toxischen Männlichkeit“, welche eine ungesunde und stereotype Erwartungshaltung an das Verhalten von Männern beschreibt.

Spektrum

Den Begriff Spektrum (von lat. Spectrum – Bild, Erscheinung) verbinden viele mit Licht, Farben und Frequenzen. Jedoch kann z.B. auch Geschlecht, Orientierung und Sexualität als verschiedene Spektren verstanden werden. Jeder Mensch ist unterschiedlich, und daher ist es oft schwer, für große Personengruppen ein Sammelbegriff zu finden. Versteht man Sexualität und Geschlecht als Spektrum statt als X-verschiedene Optionen bzw. Fixpunkte, fällt es oft leichter über eigene Erfahrungen und Einordnungen zu reden. Außerdem ist dieser Gedanke wichtig, um gegen Schubladendenken vorzugehen. Ein gutes Beispiel für solch ein Spektrum ist das Geschlecht. Kaum jemand kann man als komplett „männlichen Mann“ oder eine komplett „weibliche Frau“ beschreiben. Viele Menschen lassen sich auf diesem Spektrum dazwischen irgendwie einordnen, und für die Einordnung werden dann grobe Oberbegriffe gefunden.

Stigma

Stigma ist ein griechisches Wort für Stich, Punkt oder Mal, im Sinne eines Erkennungsmerkmals. Ein „Stigma“ wurde z. B. Kriminellen und Sklaven tätowiert oder eingebrannt.

Heute bezieht sich Stigma auf wahrgenommene Unterschiede zwischen einer Person und der Mehrheit der Gesellschaft. Stigma beruht auf Stereotypen, Vorurteilen und Diskriminierung und richtet von außen auf eine Person oder auch von einer Person gegen sich selbst.

Häufig beziehen sich Stigmata auf Geschlecht, sexuelle Orientierung, Hautfarbe, Herkunft, Intelligenz, Infektion, Behinderung und Krankheit. Ein spezifischer Aspekt wird herausgegriffen und führt zu einer verallgemeinernden Annahme über die gesamte Person. Durch die Stigmatisierung sticht diese Eigenschafft dann gegenüber allen anderen Eigenschaften hervor und dominiert die Wahrnehmung durch andere. Stigma ist also immer auch eine Form der Reduktion.

Die Stigmatisierung bestimmter Personengruppen führt für diese zu Statusverlust und Diskriminierung. Es bilden sich gesellschaftliche stereotype Vorstellungen, wie diese Personen sind. Dies wiederum kann das Verhalten der stigmatisierten Personen dahingehend beeinflussen, dass sie ihre Emotionen, Verhaltensweisen und Überzeugungen an die Erwartungshaltung der Gesellschaft anpassen: Die Vorurteile, welche aus dem Stigma entstehen, werden dann reproduziert und verstärken das Stigma somit.

Mitglieder stigmatisierter Gruppen sehen sich oft Vorurteilen ausgesetzt, die zum Beispiel zu Depression, Aggressionen und einem niedrigen Selbstwertgefühl führen.

Ein im LSBTTIQ* Kontext leider immer noch häufiges Stigma ist z. B. eine HIV-Infektion.

Toxische Männlichkeit

Der Begriff bezeichnet ein Verhalten bzw. Selbstbild, das auf einem traditionellen, stereotypen und patriarchalen Männerbild basiert. Die Bezeichnung „toxische Männlichkeit“ (toxisch = giftig, vergiftend) meint nicht, dass alle Männer generell toxisch sind. Sie bezieht sich auf übersteigerte und für die ganze Gesellschaft schädliche Verhaltensweisen und Einstellungen, wie z. B.:

  • Gefühle (außer Wut und Aggression) werden unterdrückt bzw. nicht gezeigt
  • Gewalt als Mittel der Problemlösung / Recht des Stärkeren
  • Aggressives und dominantes Auftreten (z. B. auch in Gesprächen)
  • „Recht“ auf sexuelle Aggression, Übergriffigkeit, Grenzüberschreitungen
  • Übersteigertes Konkurrenzdenken
  • Selbstanspruch, alles unter Kontrolle haben müssen
  • Selbstanspruch, alles alleine schaffen zu müssen
  • Abwehr von vermeidlich „weiblichen“ Eigenschaften als Schwäche

Dieses Verhalten hat negative Auswirkungen auf die ganze Gesellschaft, da toxische Vorstellungen von Männlichkeit zur Diskriminierung aller anderer Geschlechter, z.B. in Form von Misogynie (Frauenfeindlichkeit) sowie Homo- und Trans*feindlichkeit, führen. Viele dieser Vorstellungen sind noch immer in der Erziehung von Kindern in Aussagen wie „Jungen weinen nicht“, oder „Gewalterfahrungen gehören zum Mann-werden dazu“ verankert. Das toxische Männlichkeitsbild und die Gewalterfahrungen der Väter werden so auf deren Söhne übertragen (Traumavererbung). Toxische Männlichkeit geht mit der Angst einher, Privilegien zu verlieren oder nicht als „richtiger Mann“ bzw. als „weiblich“ angesehen zu werden. Sie schränkt die eigene Individualität ein, kann aber auch ein Gefühl von Sicherheit geben. Dabei hat toxische Männlichkeit ausgeprägte negative Auswirkungen auf Männer: z.B. selbstschädigendes Verhalten wie das Vermeiden von Arztbesuchen und das Verschweigen von Depressionen, was sich in Krankheits- und Selbstmordstatistiken niederschlägt. Männer sterben außerdem früher und werden häufiger Opfer von Gewalttaten.

trans*

Trans* wird international (dann jedoch ohne Sternchen) von vielen Menschen als Sammelbegriff für alle Formen von Transsexus, Transsexualität, Transidentität, Transgeschlechtlichkeit und Non-Binary verwendet. Der Begriff wird von und für Menschen verwendet, die sich mit dem nach der Geburt anhand der Genitalien zugewiesen Geschlecht nicht oder nicht ausreichend beschrieben wissen. Das Sternchen verdeutlicht die Diversität der Gruppen, die sich unter dem Begriff trans* versammeln und ist dementsprechend inkludierend und nicht vereinnahmend gemeint.

Transgender

Der Oberbegriff „transgender“ wird von Menschen genutzt, welche die herkömmlichen Geschlechtergrenzen in der Gesellschaft überschreiten – sei es, weil sie sich mit beiden binären Geschlechtern identifizieren, sich ganz außerhalb der binären Geschlechternorm verorten oder die Bezeichnung „transsexuell“ bzw. die Kategorie „Geschlecht“ für ihre Selbstdefinition ablehnen. Transgender bezieht sich im Unterschied zu transsexuell eher auf das soziale Geschlecht (Gender) und nicht-körperliche Geschlechterüberschreitungen. Der Begriff hat seine Ursprünge im politisch-aktivistischen Kontext und soll Menschen sichtbar machen, die von den herrschenden Geschlechternomen unterdrückt und stigmatisiert werden. Ebenso findet er Verwendung, um gegen die fremdbestimmte und patholigisierende medizinische Terminologie aufzubegehren und ihr eine eigene und positive Selbstbezeichnung entgegenzusetzen. Der Begriff „transgender“ wird in seiner Funktion als Oberbegriff von manchen transsexuellen Menschen wegen seines Fokus auf das Nicht-Körperliche kritisiert, da die Gefahr bestünde, zur Unsichtbarkeit von Transsexualität als körperliche Erfahrung beizutragen.

Transition / Transitioning

Als „Transition“ (lat. „transitio“ – Übergang) bezeichnet man den Prozess und Zeitraum, in welchem Menschen, die sich mit dem nach der Geburt anhand der Genitalien zugewiesen Geschlecht nicht oder nicht ausreichend beschrieben wissen, ihre Körpermerkmale, ihr Erscheinungsbild und/oder das juristische Geschlecht (Personenstand) an das tatsächliche Geschlecht anpassen.

Man unterscheidet zwischen der medizinischen, der gesellschaftlichen und der juristischen Transition.

Die medizinische Transition beschreibt alle medizinischen Maßnahmen, die Menschen vornehmen können, um ihre körperlichen Merkmale an das eigene Geschlechtsbewusstsein anzupassen. Hierzu zählen z. B. Hormontherapien und/oder körperangleichende Operationen. Manche Anteile der medizinischen Transition, zum Beispiel eine Hormontherapie, können eine lebenslange Behandlung bedeuten. Hier gibt es also keinen „Endpunkt“, so wie es der Begriff Transition andeutet.

Die juristische Transition beschreibt den Prozess der gesetzlichen Namens- und Personenstandsänderung. Dieser Prozess kann inklusive psychologischen Gutachten und Gerichtsentscheidung mehrere Monate bis Jahre dauern.

Die gesellschaftliche Transition beschreibt den sozialen Prozess, der das offene Ausleben des tatsächlichen Geschlechts betrifft. Die soziale Transition beginnt oft mit einem Coming-Out in Freundeskreis, Familie und Arbeitsplatz. Es folgen zumeist Anpassungen von Kleidungsstil, Ausdruck und Stimme. Siehe auch „Passing“.

Wichtig: Es gibt nicht „die Transition“. Jede Person entscheidet für sich selbst, ob, wie, wann und in welchem Umfang sie transitieren möchte.

Transsexus

Bei manchen Menschen entsprechen die Körpermerkmale nicht dem Geschlechts (körper) bewusstsein. Es kommt vor, dass Menschen mit einem Penis geboren werden und weiblich sind. Oder männliche Personen werden mit einer Vagina geboren. Oder es werden nicht-binäre Personen geboren, die irgendwann verstehen: Meine Vagina gehört zu mir, aber Brüste dürfte ich nicht haben, so bin ich nicht „richtig“. Diese Menschen haben einen Transsexus – Körpermerkmale und Geschlechtsbewusstsein sind „nicht auf derselben Seite“ (lat. Trans). Dieser Widerspruch zwischen Körpermerkmalen und Geschlechtsbewusstsein führt oft zu einem hohen psychischen Leidensdruck (Körperdypshorie). Daher steht für viele Menschen mit einem Transsexus die Auflösung dieses Widerspruchs im Vordergrund. Dies geschieht durch Hormoneinnahmen und körperangleichende Operationen. Außerdem erfolgt eine Änderung des Namens und des Geschlechtseintrags. Ob ein Mensch mit Transsexus alle, einige oder auch keine körperlichen Angleichungen anstrebt, ist ausschließlich seine Entscheidung. Wenn das Geschlechtsbewusstsein weiblich oder männlich ist, nennt man dies einen binären Transsexus (Transsexualität/Transgeschlechtlichkeit, engl. binary transgender). Ist das Geschlechtsbewusstsein weder männlich noch weiblich, so spricht man von einem nicht-binären Transsexus (Nicht-binäre, engl. Non binary transgender, Enby).

Drag / Travestie

„Travestie“ (von französisch travesti „verkleidet“) ist eine Kunstform, in der sich zunächst Männer als Frauen verkleideten. Charakteristisch für diese Kunstform ist die Überzeichnung von Stereotypen und Geschlechterklischees. Woher der Begriff „Drag“ genau kommt, ist nicht abschließend geklärt. Eine Hypothese ist, dass sich die Begrifflichkeit „Drag“ auf Shakespeare zurückführen lässt. Shakespeare verwendete in seinen Theaterstücken die Phrase „dressed as girl“ (= „gekleidet wie ein Mädchen“, kurz: drag) um männliche Darsteller darauf aufmerksam zu machen, dass sie in diesen Rollen als „Frau“ gekleidet auf der Bühne erscheinen sollten. Drag spielt im Gegensatz zu Travestie nicht nur mit Geschlechterklischees, sondern geht darüber hinaus und kann mit dem Konzept von Geschlecht an sich brechen. Es gibt Drag Kings und Drag Queens, wobei Drag Queens „Frauen“ überzeichnet darstellen und Drag Kings „Männer“. Bekannte Beispiele für Drag Queens sind unter anderem Conchita Wurst, RuPaul oder Mary Morgan und Gordy Blanche. Bekannte Beispiele für Drag Kings sind unter anderem Spikey van Dykey, Landon Cider oder Elvis Herselvis. Travestie und Drag sind als Kunstformen klar abzugrenzen von Trans*. Sie stellen reine Bühnentechniken also Kunstformen dar und sind unabhängig vom eigenen Geschlechtsbewusstsein. Ebenso sind Travestie und Drag nicht an eine sexuelle Orientierung gebunden – ja, es gibt auch heterosexuelle Dragqueens 🙂